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Krisen-PR: Google verschluckt sich an seinem Datenhunger
  • Jörg Forthmann
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  • Android . Befreiungsschlag . Datenschutz . Google+ .

Amerikaner ringen um die Akzeptanz ihres Geschäftsmodells

Krisen-PR Android

Wenn der deutsche Geheimdienst ‎demnächst wissen möchte, wo Sie heute waren und mit wem Sie wann telefoniert haben, müssen die Schlapphüte nicht mehr bei der NSA anrufen. Google weiß es. Alle Android-Nutzer haben dem zugestimmt.

Google ist ein Phänomen: Wir wehren uns mit aller Kraft gegen die Vorratsdatenspeicherung, machen uns aber mit unserem Android-Smartphone gläsern wie nie. Das passiert hoch offiziell. In den Google-Nutzungsbedingungen ist klar geregelt, dass die Amerikaner alles von uns erfahren, zum Beispiel GPS-Koordinaten, die Telefonnummern der ein- und ausgehenden Anrufe und deren Uhrzeit. Inhaltliche Interessen der Menschen erkundet Google über die Anfragen bei seiner Suchmaschine.

Wozu das führt, zeigt ein einfacher Service: Google teilt morgens mit, wie lange man mit dem Auto zur Arbeitsstelle braucht – obwohl es hierzu keinen Termin im Kalender ‎gibt, den Google hätte auslesen können. Die Amerikaner nutzen schlicht Bewegungsprofile und sind so in der Lage, das voraussichtliche Fahrziel zu prognostizieren.

google_teufelDas dürfte eher ein kleineres Kunststück der Datenanalysten von Google sein. Die Frage ist: Wollen wir das? Die Mehrheit will es wohl nicht, aber der Marktanteil von Android liegt bei 83 Prozent – und jeder Android-Nutzer hat dem systematischen Ausschnüffeln zugestimmt. Sonst funktioniert das Handy nicht.

Google kann sich darauf allerdings nicht ausruhen. Die fortwährende Verletzung der Privatsphäre sorgt für wachsenden Widerstand. Der US-Konzern muss mittelfristig damit rechnen, dass das Unbehagen der Verbraucher zu wachsender Negativpresse und zu politischer Regulierung führt – und damit die Geschäftsinteressen von Google gefährdet. Denn all die schönen Google-Services können nur deshalb umsonst sein, weil ein anderer bereitwillig dafür zahlt.

Datenallmacht von Google beunruhigt Menschen

Google-Daten sind das neue Gold. Sie lassen sich beliebig oft verkaufen, und sie verlieren nicht an Wert. Auch wenn die Amerikaner sie massenhaft anhäufen, erleben Sie keinen ‎Wertverlust; im Gegenteil, sie werden noch wertvoller. Mit welcher Wahrscheinlichkeit Sie sich für Bio-Knäckebrot begeistern lassen und wo Sie es einkaufen? Google weiß es. Ob Sie Kaufreiz bei einer Klassik-Edition der Wiener Philharmoniker verspüren und dafür einen Premiumpreis zahlen? Google kennt die Wahrscheinlichkeit dafür. Lohnt es, einer Frau Ernährungsergänzungsstoffe für Schwangere anzubieten? Google weiß, wie oft Frauen bei der Adresse der Gynäkologie-Praxis waren und wie oft sie dort angerufen haben. Besuche in typischer Frequenz von Frauen im gebärfähigen Alter (weiß Google) mit Lebenspartner (zwei Smartphones, die oft an einem Ort sind, vorzugsweise nachts, und ansonsten oft miteinander telefonieren) sprechen für eine Schwangerschaft.

Das ist – in einem ruhigen Moment betrachtet – beunruhigend. Muss Google Dinge wissen, die wir noch nicht einmal unseren besten Freunden verraten?

Transparenz reicht nicht in der Krisenkommunikation

Die Amerikaner versuchen es mit Transparenz. Man kann sich zum Beispiel ansehen, was die Google-Suchmaschine über ‎einen weiß und selbst bestimmen, ob diese Daten gesammelt werden. Der große Haken ist jedoch: Kaum ein Bürger nutzt dieses Angebot. Selber Schuld, könnte man denken. Doch die Menschen denken nicht so rational. Sie suchen die Schuld nicht in ihrem Nichtstun. Da ist es allemal besser, der böse US-Konzern ist schuld.

So steuert Google in eine gefährliche Sackgasse. Transparenz hilft nicht. Der gesellschaftliche Nutzen muss her. Oder anders formuliert: Google ist klug beraten, die Daten so für die Allgemeinheit zu nutzen, dass sie ihr Geschäftsmodell der Gesellschaft zur Genehmigung vorlegen können. Atomkraftwerkbetreiber und Automobilkonzerne können Google berichten, dass das zwar lästig aber unumgänglich ist.

Jörg Forthmann

P.S.: Lesen Sie diesen Beitrag auch auf Bilanz.de.

2 COMMENTS
  1. Ihr Name...
    Juli 12, 2016 Antworten

    Sie schreiben, Zitat „Man kann sich zum Beispiel ansehen, was die Google-Suchmaschine über ‎einen weiß und selbst bestimmen, ob diese Daten gesammelt werden.“ Wo kann man diese Informationen einsehen? Ein weiterführender Link wäre hilfreich. Danke.

    1. Jörg Forthmann
      Juli 12, 2016 Antworten

      Hallo, schauen Sie bitte unter diesem Link, ob Ihnen diese Anleitung weiterhilft: http://praxistipps.chip.de/was-weiss-google-ueber-mich-so-finden-sie-es-heraus_27427
      Beste Grüße
      Jörg Forthmann

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