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Der Strafzettel, das Kind und die Reputation
  • R Heintze
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  • Reputation . Reputationsmanagement . Twitter .

Polizei Berlin nutzt Twitter vorbildlich zum Reputationsmanagement

Manchmal sind es nicht die großen, sondern die kleinen Dinge, die uns Ärgern. Zum Beispiel, wenn es jemand im Straßenverkehr an Rück- und Vorsicht mangeln lässt. Steht auf dem verkehrssündigen Auto dann auch noch groß und breit drauf, wem es gehört, hat man vom Besitzer ganz schnelle eine ganz schlechte Meinung.

So erging es der kleinen, neunjährigen Meggie aus Berlin. Sie entdeckte vor ihrem zu Hause in einer Einbahnstraße einen nervig falsch geparkten PKW – und Schritt kurzerhand zur Selbstjustiz. Sie verpasste dem Wagen einen handgeschrieben Strafzettel:

 

„Bußgeld wegen Falschparkens in einer Einbahnstraße
Meggie, 9 Jahre, bald Politesse“

 

Allerdings war der PKW kein Privatwagen – sondern ein Streifenwagen der Berliner Polizei. Die veröffentlichte ein Bild des Strafzettels der Nachwuchs-Parkraummanagerin über ihren Twitter-Account – inklusive kindgerechter Antwort:

 

 

Die Streifenwagenbesatzung war von einem Opfer häuslicher Gewalt zu Hilfe gerufen worden.

 

Und warum ist das nun gutes Reputationsmanagement?

 

Weil die Berliner Beamten eine Gelegenheit gut genutzt haben, ein größeres Problem auf äußerst sympathische Weise anzugehen. Denn auch Erwachsene „Zivilisten“ regen sich häufig über Einsatzfahrzeuge auf, weil sie den Hintergrund nicht verstehen. Nämlich den „Einsatz“-Teil in „Einsatzfahrzeug“.

Ein Mitarbeiter von uns hat früher mehrere Jahre lang im Rettungsdienst gearbeitet und kann erstaunliche Geschichten erzählen. Zum Beispiel über einen Taxifahrer, der einen Krankenwagen (im Einsatz) von einem Taxi-Streifen vertreiben wollte. Oder von Leuten, die Blaulicht und Sirenen ignorieren, weil die Besatzung „bestimmt nur ihr Essen warm vom Imbiss zur Wache bringen will“. Tatsächlich erlebt hat er einen derartigen Missbrauch in seiner aktiven Zeit nie.

„Wenn Sie Sirenen hören und Blaulicht sehen, dann bedeutet das, dass irgendwo jemand in großer Gefahr schwebt. Erstaunlich viele Menschen blenden das völlig aus“, erzählte er mir. „Zwar müssen Sie einem Einsatzfahrzeug nur Platz machen, wenn es mit Horn und Blaulicht unterwegs ist. Aber zusätzlich zu diesem Wegerecht stehen Einsatzfahrzeugen auch weitere Sonderrechte zu. Wenn Gesundheit oder Sicherheit in Gefahr ist, dürfen sie selbstverständlich zum Beispiel auch an Stellen parken, die Privatleuten verboten sind. Auch ohne eingeschaltetes Blaulicht.“

Das einem Erwachsenen klar zu machen, ist oft schwierig. Hier kam die „Beschwerde“ von einem Kind – und die kindgerecht geschriebene Antwort erklärt die Situation auch für Erwachsene, ohne wie ein Streit zu wirken. Die Polizei entschärft so also durch Aufklärung zukünftige Konflikte mit anderen Menschen, die sich aus Unverständnis in einer vergleichbaren Situation sonst ebenfalls aufregen würden. Das ist vorbeugendes Reputationsmanagement.

Gleichzeitig beweist der Tweet, dass die Polizei nicht nur die öffentliche Meinung allgemein, sondern auch konkret Kinder durchaus ernst nimmt und wertschätzt. Das gibt noch einmal extra-Sympathiepunkte.

Auch Meggie hat den amtlichen Falschparkern verziehen: Als ihre Mutter ihr den Tweet zeigte, machte das Mädchen einen Hofknicks und sagte: „Sie sind begnadigt“.

 

Roland Heintze

 

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Derweil, bei Mediengau: Jörg Forthmann zeigt in KiK möchte wieder lieb sein, welche Fehler in der Krisenkommunikation das Reputationsmanagement des Textilhändlers ausbremsen.

 

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