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Faktzweinull

Von Katzen und Autounfällen: Warum Facebook für die Kommunikation nicht immer passt
  • Lars Reppesgaard
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  • B2B Kommunikation . Facebook . Kommunikation . Social Media .

Eigentlich ist das ein klarer Fall: Die Hälfte aller Top-Manager sieht Facebook als erfolgskritisch für die Kommunikation ihres Unternehmens an. Alle anderen Social-Media-Kanäle mit Ausnahme von Twitter haben für die Führungskräfte keine wesentliche Bedeutung.

Jetzt könnte man sagen: Ist es nicht klasse, dass Unternehmensentscheider endlich entdeckt haben, dass Social Media wichtig ist?

Ich würde sagen: Jein. Ja, schön, dass wenigstens Facebook inzwischen auf dem Radar ist. Aber für viele Unternehmen ist der Facebook-Fokussierung nicht klug. Schließlich sollte man im digitale Raum dort aktiv sein, wo sich die Zielgruppen bewegen. In vielen Branchen ist das gerade bei Facebook nicht der Fall. Der Social-Media-Atlas des Faktenkontor, für den 3.500 Internet-Nutzer befragt wurden, zeigt beispielsweise, dass 17 Prozent der Internet-Nutzer in Deutschland innerhalb eines Jahres über Internet-Foren Informationen über Medikamente und Therapien gesucht haben. Facebook liegt hier mit zwölf Prozent noch hinter Youtube mit 14 Prozent.

Geht es um Unterhaltungselektronik, ist wiederum das Video-Portal die wichtigste Informationsquelle im Web 2.0: Ein Viertel der Internet-Nutzer in Deutschland hat sich bei Youtube innerhalb von zwölf Monaten über Produkte dieser Branche informiert.

Der zweite Grund, warum Facebook gerade dann kein guter Kommunikationskanal ist, wenn es um komplizierte und sperrige Themen ist, liegt in der Verfasstheit von Facebook selbst: Das Netzwerk steuert die Anzeige der Beiträge genau aus, es ist nie dem Zufall überlassen, was wir zu sehen kriegen. Je intensiver wir Inhalte nutzen, desto mehr dieser Inhalte bekommen wir angezeigt.

Wer also halbwegs sachlich über die Vorzüge eines KFZ-Versicherungstarifs informieren will, hat praktisch kaum eine Chance auf Reichweite. Denn bitte: Wer informiert sich über so etwas Sperriges, wenn es als Alternative ein lustiges Katzenvideo, Geläster über unfähige Politiker oder den neusten Tratsch aus dem Freundeskreis zu klicken gibt? Mal ehrlich – die meisten von uns klicken dann auf das Kätzchen. Und das hat Folgen – nämlich die, dass wir immer mehr Kätzchen angezeigt bekommen.

Das gilt für Facebook, aber auch alle anderen sozialen Netzwerke funktionieren so-  ja sogar alle Internet-Inhalte, weil auch sie durch Google vor allem nach der Regel „Populär ist wichtig“ katalogisiert und sortiert für uns bereit gestellt werden.

Twitter-Mitgründer Evan Williams beschreibt die Wirkungsweise der netzbasierten Aufmerksamkeitsökonomie so:  „Stellt dir vor, du fährst eine Straße entlang, und du siehst einen Unfall. Natürlich schaust du hin. Jeder schaut hin. Das Internet interpretiert dieses Verhalten dahingehend, dass jeder Autounfälle sehen will, und versucht deshalb, sie bereitzustellen.“

Weil Facebook immer wieder bemerkt, dass wir das Außergewöhnliche, Unterhaltsame, Witzige und Wahnwitzige klicken, ist in der persönlichen Timeline kein Platz für Kompliziertes. Posten kann man es schon, es existiert auch auf Facebook, irgendwo. Nur sieht praktisch keiner diesen Inhalt.

Wer also glaubt, dass seine Kommunikation unbedingt auf Facebook passieren muss, sollte vielleicht mal kurz den Blick vom Bildschirm wenden – und … nein, nicht nach Autounfällen ausschauhalten, sondern nach seiner Zielgruppe.

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