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Die 7 Tricks des Opel-Chefs in der Krisen-PR
  • Jörg Forthmann
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  • Change . Transformation . Veränderung .

Stellen abbauen, Kosten kürzen – und trotzdem tolles Medienecho. Wie macht er das?

Opel-Chef Michael Lohscheller verkündet harte Einschnitte beim Traditionskonzern Opel: Kosten werden massiv gesenkt, Stellen abgebaut und die Technik wird künftig aus Frankreich diktiert. Und trotzdem erntet er Zustimmung bei Mitarbeitern, Betriebsrat und Journalisten. Er nutzt die 7 Erfolgsgeheimnisse in der Change-Kommunikation. Lesen Sie hier, welche das sind.

Krisen entstehen aus enttäuschten Erwartungen der Zielgruppen. Wer diesen Satz beherzigt, erfüllt bereits die wichtigste Voraussetzung für Erfolg in der Veränderungskommunikation. Das Schöne an der Kommunikation von Sanierungsprogrammen ist der Umstand, dass sich alle Beteiligten – Vorstände und Kommunikatoren – lang genug vorbereiten können, denn zumeist ist die Veröffentlichung eines Sanierungsprogramms von langer Hand geplant.

Kluge Manager nutzen diese Zeit und widmen sich den 7 Erfolgsgeheimnissen in der Change-Kommunikation:

1. Erwartungen der Mitarbeiter antizipieren

Mitarbeitern machen Veränderungen Angst. Sie fürchten um ihren Job und um ihre berufliche Zukunft. Sie sind darauf angewiesen den Lebens-Unterhalt (!) zu verdienen, und das ist jetzt in Gefahr. Der Opel-Chef adressiert diese Ängste und sagt deutlich, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Alle Jobs sind sicher. Stellenabbau erfolgt durch Altersteilzeit und Fluktuation. Die Mitarbeiter bekommen also eine klare Perspektive – sogar mit Garantie.

2. Erwartungen der Gesellschaft bedienen

Auch die Gesellschaft will bedient werden. Sie macht sich ebenfalls Sorgen. Bei Opel schwingt die Sorge mit, dass der französische Mutterkonzern das deutsche Traditionsunternehmen aufsaugt und Opel vom Markt nimmt. Dem tritt Lohscheller klar entgegen: “Opel bleibt deutsch!” Obendrein streichelt er die deutsche Seele und lobt die “deutsche Ingenieurskunst”, von der nun auch die Franzosen profitieren würden. So tut die französische Übernahme von Opel doch gleich viel weniger weh!

3. Und trotzdem klar die Einschnitte benennen

Veränderungskommunikation darf aus Rücksicht auf die subjektiven Erwartungen Dritter nicht so weich gewaschen werden, dass sie die erforderlichen Veränderungen behindert, weil die Mitarbeiter das Aufbruchsignal nicht mitbekommen. Diesen Fehler macht der Opel-Chef nicht. Er formuliert konsequent, dass es große Veränderungen geben wird und dass es ein unumstößliches Ziel gibt: Opel schreibt ab 2020 wieder Gewinne. Also schon in drei Jahren.

4. Nicht nur bei Mitarbeitern kürzen, sondern auch beim Topmanagement

Die Akzeptanz von Einschnitten in der Belegschaft scheitert oft genug an einem Ungerechtigkeitsgefühl. Unten kürzen sie, oben trinken sie weiter Champagner. Deshalb sinkt bei Opel die Zahl der Geschäftsführer von neun auf sechs. An ihn als CEO berichten nur noch halb so viele Manager. Das sind einfach zu verstehende Signale, dass auch auf der Chefetage der eiserne Besen kehrt – und nicht nur in der Werkhalle.

5. Mehr Fantasie aufbringen als nur Kosten zu senken

Viele Sanierungspakete haben nur einen Inhalt: Kosten kürzen. Allzu oft wird dabei das Unternehmen kaputt gespart. Lohscheller lässt diesen Eindruck gar nicht erst aufkommen. Er zeigt klar auf, wo Wachstum entstehen soll. So soll es Opel-Fahrzeuge demnächst auf mehr als 20 neuen Märkten geben.

6. Ein konsistentes Botschaftenset

Der Opel-Chef hat ein konsistentes Botschaften-Set. Wer seine Kommunikation mit unterschiedlichen Zielgruppen nebeneinander legt, erkennt überall die gleichen Botschaften. Diese Konsistenz ist wichtig, denn kleine Abweichungen führen nach kurzer Zeit zu Spekulationen, was der neue Chef wohl wirklich tun wird. Lohscheller bleibt konsequent bei seinen Botschaften und kleidet sie obendrein in eine Sprache, die für die Menschen verständlich ist. Abgehobene Managerfloskeln meidet er.

7. Authentischer Absender

Als Kommunikator kann man sich seinen Chef nicht aussuchen. Glücklich ist, wer in eine Veränderungskommunikation mit einem CEO wie Lohscheller gehen kann. Ihm gelingt es, trotz des kritischen Themas glaubwürdig und sympathisch zu sein. Die schönste Kommunikation misslingt, wenn der Überdringer für diese Aufgabe ungeeignet ist…

Die 7 Erfolgsgeheimnisse klingen simpel, müssen aber in der Praxis hart erkämpft werden. Doch der Kampf lohnt, wie das durchweg gute Echo auf das Opel-Sanierungsprogramm zeigt.

Jörg Forthmann

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