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Fehlende Krisenstrategie: Burger King wird weichgekocht
  • Jörg Forthmann
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  • Befreiungsschlag . Burger King . Denunziant . Investigativ-Journalismus . Spiegel .

Burger King PR-KriseBurger King entwickelt sich zum Musterbeispiel, wie sich eine fehlende Krisenstrategie rächt. Anfang der Woche noch versuchte man sich mit halbgaren Ankündigungen aus der Affäre zu ziehen, wie die vom Wallraff-Team in RTL gezeigten Ekel-Zustände bei einem Franchisenehmer aus der Welt geschafft werden. Heute melden sich Mitarbeiter eines anderen Franchisenehmer und behaupten, auch dort gäbe es Verstöße gegen Hygienevorschriften, überlagerte Ware und zu hohe Arbeitsbelastung. Das war vorhersehbar. Denn in der Krise kriechen alle jene aus ihren Löchern, die ihre Chance wittern, nun auch von Missständen berichten zu können. Darauf hätte sich der Burger-Brater vorbereiten können.

Zu einer Krise gehört eine ehrliche Bestandsaufnahme. Bei der hätten die Burger-King-Kommunikatoren bereits Anfang der Woche sehen müssen, dass es mehr als die in RTL gezeigten Vorwürfe in den 700 Restaurants in Deutschland gibt. Dass auch diese Vorwürfe bekannt werden, ist ein sehr wahrscheinliches Szenario, denn sehr viele Krisen eskalieren weiter durch neue Tippgeber in den Medien. Beliebt sind Mitarbeiter, Betriebsräte oder Gewerkschaften. Und siehe da: Bei Burger King sorgt ein ehemaliger Mitarbeiter für neuen Ärger. Er habe bei einem anderen Franchisenehmer gearbeitet und auch dort ist es schrecklich – für Kunden und für Mitarbeiter.

Burger King hätte bereits Anfang der Woche eine Untersuchung durch unabhängige Dritte veranlassen müssen. Die neuen Vorwürfe wären den Prüfern unverzüglich zugeleitet worden, so wie das mit allen anderen (künftigen) Vorwürfen auch geschehen würde. Das macht zwar die neuen Ekel-Nachrichten nicht ungeschehen, aber Burger King könnte zeigen, dass es diese Vorwürfe souverän, transparent und konsequent verfolgt. Und dass dieser Prozess jetzt selbstverständlich ist, also eher langweilig.

Burger King lässt sich jetzt statt dessen von ehemaligen Mitarbeitern am Nasenring durch die Manege führen. Ich wette, das war nicht die letzte “Enthüllung” bei Burger King. Der Systemgastronom hat sich in der Krise die Chance genommen zu agieren; es wird nur noch reagiert. Damit lässt sich keine Krise meistern.

Update: n-tv meldet am 4. Mai – also nahezu einer Woche nach der RTL-Sendung -, dass Burger King zwei Restaurants vorübergehend schließt. Lizenznehmer hätten gegen Hygiene- und Arbeitsvorschriften verstoßen. Seit Freitag seien Teams für Lebensmittelsicherheit und Restaurantmanagement bei Sonderinspektionen im Einsatz. Die Aktion kommt zwar spät, ist aber genau der richtige Weg!

Update 2: Chapeau! Burger King zieht jetzt auch personelle Konsequenzen! Ergün Yildiz, der mit seiner Yi-Ko-Holding 90 Burger-King-Filialen betrieb, tritt als Geschäftsführer zurück. Das berichtet unter anderem Focus online.

Jörg Forthmann

1 COMMENT
  1. Avatar for Niels
    Niels
    Mai 5, 2014 Antworten

    Ich frage mich jedes Mal, warum mit dem Thema so Stiefmütterlich umgegangen wird.
    Mir tuen die ganzen Mitarbeiter leid, die auf Schulungen, Seminaren und Tagungen sich professionell zu den Themen austauschen und dann das gelernte Handwerkszeug nicht anwenden können.

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