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Überreizt ver.di? Streiks bei Amazon im Advent
  • Jörg Forthmann
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  • Arbeitsbedingungen . Arbeitskampf . NGO . ver.di .

Überreizt ver.di? Streiks bei Amazon im Adventver.di setzt dem US-Versandhändler Amazon arg zu. Streiks sind da noch das kleinste Problem. ver.di hat dafür gesorgt, dass im Fernsehen ausführlich über die vermeintlich schlechten Arbeitsbedingungen in den deutschen Versandlagern berichtet wird, garniert mit Hinweis auf die Nazi-Nähe des Sicherheitsdienstes bei Amazon. Selbst die Politik ließ sich zwischenzeitlich anstacheln, die “Zustände” bei Amazon zu kommentieren. ver.di nutzt dabei sehr geschickt die David-Goliath-Strategie: Die kleine, gute Mitarbeitervertretung kämpft gegen den rücksichtlosen amerikanischen Multi. Nun aber eröffnet sich für Amazon möglicherweise die große Chance, das Spiel umzudrehen: ver.di will den Versand von Weihnachtspaketen bestreiken.

Ein Streik im Weihnachtsgeschäft trifft Amazon zweifelsohne besonders hart. In der Öffentlichkeit kann das jedoch dem Online-Versandhändler extrem helfen, denn ver.di läuft erstmalig Gefahr, sich in der Bevölkerung unbeliebt zu machen. Wenn wegen des Streiks in vielen Familien die Bescherung beschädigt wird, weckt das emotionale Entrüstung. Gewerkschaften haben damit schon negative Erfahrungen gesammelt als zum Beispiel der Frankfurter Flughafen bestreikt wurde und die Menschen nicht in ihren lang ersehnten Urlaub fliegen konnten. Amazon ist jetzt klug beraten, sich auf die ver.di-Streiks auch kommunikativ sehr gut vorzubereiten:

  1. Amazon muss die Lufthoheit darüber gewinnen, dass ver.di absichtlich das rechtzeitige Beliefern von Weihnachtsgeschenken an deutsche Familien behindert. Das heißt, dass Amazon sehr früh die Aktion ergreifen und ver.di mit dieser schweren Folge des Streiks konfrontieren sollte. Das Erstgesagte diktiert die Meinungsbildung; wer später kommt, muss dagegen anarbeiten.
  2. Gewerkschaften arbeiten mittlerweile gerne mit Bildern, denn – aus der Sicht des Publikums – Bilder lügen nicht. Warum also nicht die Kinder, Eltern, Großeltern und Freunde auffordern, ihre dringende Bitte an ver.di per Kurzvideo zu schicken, diesen unsinnigen Streik zu beenden. Das kann sehr stark emotionalisieren.
  3. Außerdem sollte Amazon konsequent und nachweisbar argumentieren, welche unglaublichen Anstrengungen alle Mitarbeiter bei Amazon unternehmen, um doch noch alle Geschenke rechtzeitig zu Weihnachten auszuliefern. Es muss deutlich werden, dass Amazon dafür kämpft, dass überall in Deutschland ein schönes Weihnachten gefeiert wird – trotz ver.di.

Wie würden Sie sich als Kommunikator auf eine derartige Streikankündigung von ver.di vorbereiten? Auf Ihren Kommentar freut sich

Jörg Forthmann

2 COMMENTS
  1. Avatar for Christian Krähling
    Christian Krähling
    Oktober 26, 2014 Antworten

    Ich würde der Öffentlichkeit mitteilen, dass Amazon, als größter Online-Versandhändler, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzt und ihnen auf Augenhöhe begegnen möchte. Daher tritt man gerne mit ver.di in Verhandlung um zu schauen, was das Beste für alle ist. Somit wären auch Streiks im Weihnachtsgeschäft überflüssig und alle Kunden können beruhigt aufatmen.

    1. Avatar for Jörg Forthmann
      Jörg Forthmann
      Oktober 26, 2014 Antworten

      Hallo Frau Krähling,
      Ihr Vorschlag würde die Situation bestimmt entschärfen, weil die Gewerkschaft ihren Willen bekommt. Aber in der Krisenkommunikation haben wir Kommunikatoren ja oft nicht die Möglichkeit, die Position des Unternehmens derart zu verändern. Die Amazon-Chefetage will schlicht nicht den Tarifvertrag wechseln und ist davon überzeugt, dass das auch nicht nötig ist. Amazon hat inzwischen deutlich gemacht, dass gar nicht die gesamte Belegschaft die Verdi-Forderung unterstützt. Im Amazon-Blog werden Berichte aus dem inneren des Unternehmens von den Mitarbeitern gepostet, um ein Gegen-Bild zu der von Verdi skizzierten Situation zu schaffen. Amazon hat es bislang nicht geschafft, damit die “Lufthoheit” von Verdi zu durchbrechen. Der Weg ist – bei den vorgegebenen Rahmenbedingungen – aber nicht schlecht, finde ich. Was denken Sie?
      Beste Grüße, Jörg Forthmann

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