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Da ist ja schon Schönes dabei, aber…
  • R Heintze
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  • csr . KiK . Nachhaltigkeit . Reputation . Reputationsmanagement .

Kik will Umwelt- und Sozialstandards in seiner Lieferkette verbessern – reicht das für eine gute Reputation?

Der Nachhaltigkeits-Wettbewerb unter deutschen Unternehmen nimmt weiter Fahrt auf. Gefühlt wird jeden Tag über neue Initiativen von Firmen berichtet, die für bessere soziale und ökologische Standards in Handel und Produktion sorgen. Diese sollen sich in erster Linie positiv auf die Reputation auswirken. Dabei fallen die meisten, über die ich hier berichte, in eine der beiden Kategorien: Vorbildliche „Best Practices“ und die „Worst Practices“, deren Nützlichkeit sich darin erschöpft, als abschreckendes Beispiel zu dienen; aus denen man vor allem lernen kann, welche Fehler man vermeiden sollte.

Aber natürlich verteilen sich nicht alle CSR-Maßnahmen auf diese beiden extremen Gegenpole. Die neuste Nachhaltigkeits-Initiative des Textil-Discounters Kik liegt irgendwo dazwischen: Einerseits nicht schlecht und durchaus zielführend, andererseits aber auch kein wirklich großer Wurf.

Kik hat sich über lange Jahre in vielen Bereichen einen schlechten Ruf geradezu erarbeitet. In Bezug auf seine Nachhaltigkeit erhielt der Discounter von Rank a Brand e.V. die Einstufung „D“ für „Kaum empfehlenswert“.

 

Kik Pressebild LKW mit Kik-Solgan "Nur nackt ist billiger"

„Nur nackt ist billiger“: Aber wer zahlt den Preis für billige Kleidung?
Bild Quelle / © www.kik-textilien.com/unternehmen/presse/informationsmaterial/bildmaterial/

 

Das soll jetzt besser werden. Unter dem Titel „KiK schafft Anreize für die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards mit günstigen Lieferantenkrediten“ berichtet das Unternehmen in einer Pressemeldung:

Der westfälische Textildiscounter KiK schafft ein Anreizsystem für die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards seiner Lieferanten. Textillieferanten in China, die die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter sowie ihr Umweltmanagement verbessern, erhalten von der International Finance Corporation (IFC), einer Tochter der Weltbank, Finanzierungsmöglichkeiten. Dabei sind die Zinssätze umso niedriger, je besser die Standards umgesetzt sind.

Die IFC ist, stark vereinfacht ausgedrückt, eine Art globale KfW. Die Unterlagen zum Kik-Projekt, die die Bank auf ihrer Webseite veröffentlicht hat, zeichnen durchaus das Bild eines Konzepts mit Hand und Fuß.

Gut daran:

  • Kik setzt grundsätzlich an einer richtigen Stelle an. Denn insbesondere nach dem Brand bei einem Kik-Zulieferbetrieb im pakistanischen Karatschi im September 2012, bei dem 260 Mitarbeiter in einem verschlossenen und vergitterten Betrieb qualvoll starben, steht das Unternehmen für die Bedingungen bei den Firmen seiner Lieferkette (zu Recht) besonders stark in der Kritik.
  • Wirtschaftliche Vorteile für die Zulieferbetriebe direkt an die Verbesserung von Sozial- und Umweltstandards zu knüpfen, wie hier durch niedrigere Zinsen, ist grundsätzlich zielführend. Wenn sich diese Verbesserung nicht nur für die Arbeiter, sondern auch für die Betreiber der Nähereien im direkten Sinne auszahlt, ist das tatsächlich ein Treiber für Verbesserungen. Und mit 10 Millionen Dollar lässt sich durchaus einiges erreichen, auch wenn sich die Summe auf hunderte Betriebe verteilt.

Nicht so gut:

  • Das Engagement von Kik selbst hält sich bei diesem Projekt doch arg in Grenzen. Denn Kik nimmt kein eigenes Geld in die Hand, um die Produktionsbedingen zu verbessern. Die Millionen kommen von der IFC und müssen letztlich von den Zulieferern selbst wieder zurückgezahlt werden. Kik fungiert nur als Bürge und Vermittler.
  • Ob die Verbesserungen der Sozial- und Umweltstandards wirklich umgesetzt werden, soll von Kik-eigenen und externen Auditoren überprüft werden. Klingt erstmal gut – nur hat das in der Vergangenheit bei Kik nie wirklich funktioniert. Ob das jetzt anders wird, muss sich erst noch zeigen.

Externe Fördermöglichkeiten, wie hier die IFC-Kredite, für Nachhaltigkeitsbestrebungen zu nutzen, ist durchaus sinnvoll und zu empfehlen. Dafür sind sie da. Als „Leuchtturm“-Maßnahme ist das aber einfach zu wenig. „Wir lassen andere Leute für mehr Nachhaltigkeit in unserer Wertschöpfungskette bezahlen“ allein ist keine Aussage, die Kik die Reputation eines Unternehmens einbringt, das ökologische und soziale Verantwortung ernst nimmt.

Vor allem, da Äußerungen von Kik-Vertretern in Zusammenhang mit einem vor dem Landgericht Dortmund anstehenden Prozesses wegen des Brands in Karatschi eine deutlich andere Sprache sprechen. Die Zeit zitiert eine Kik-Sprecherin, die die Todesfälle in der „rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Fabrik“, die drei Viertel ihrer Ware für Kik produzierte, zwar bedauert, aber jegliche Verantwortung mit einem ziemlich geschmacklosen Vergleich von sich weist:

Wenn man bei einem Bäcker Kunde ist und dort ein Brötchen kauft, ist man auch nicht mitschuldig, wenn einen Tag später die Bäckerei abbrennt.

Das ist das genaue Gegenteil von Verantwortung für seine Lieferkette tragen.

Roland Heintze

 

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