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Eigennutz: Unternehmen drängen Politik zu mehr Klimaschutz
  • R Heintze
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Unternehmen erkennen Reputationsrisiko durch die Erwartungs-Realitäts-Lücke

Lob für das Klimaabkommen von Paris, kombiniert mit der Forderung an die deutsche Politik nach schärferen Maßnahmen und einem schnelleren Fortschritt bei der Energieeffizienz-Gesetzgebung und ihrer Umsetzung.

Sowas wäre nicht überraschend, wenn es von Greenpeace käme. Doch die „Erklärung zum Klimaabkommen von Paris“, die diese (und noch weitergehende) Forderungen formuliert, kommt aus der deutschen Wirtschaft. Sie ist von 35 großen und mittelständischen Unternehmen unterzeichnet, darunter auch Adidas, Aida Cruises, die Commerzbank, EnBW, Otto Group und Unilever, unterstützt von der Unternehmer-Stiftung 2 Grad.

Titelblatt Erklärung zum Klimaabkommen mit 34 Unternehmenslogos

Keine Sponsoren-Tafel beim Fußball, sondern das Titelblatt einer Forderung nach mehr Klimaschutz.
(Quelle: www.stiftung2grad.de)

Traditionell würde man eigentlich erwarten, dass die Wirtschaft für möglichst lockere und unverbindliche Umweltschutzbestimmungen kämpft. Kostet am Ende schließlich alles Geld. Doch wer sich heute noch so positioniert, agiert extrem kurzsichtig und fällt früher oder später in eine so genannte „Erwartungs-Realitäts-Lücke“ – ein Reputationsschaden ist vorprogrammiert. Und das geht so:

In der Gesellschaft setzt sich die Erkenntnis, dass der Klimawandel real ist und schwerwiegende Folgen für Menschen und Weltwirtschaft hat, immer mehr durch. Entsprechend wächst nicht nur in Deutschland die Erwartung an Unternehmen, dass sie ökologisch und verträglich wirtschaften. Je weiter gesellschaftliche Erwartung und Unternehmensrealität auseinanderdriften, umso höher die Gefahr eines Reputationsschadens – soweit die Theorie. Doch klimafreundlichere Prozesse benötigen erhebliche Investitionen und verursachen laufende Kosten. Wer hier in einem Umfeld ohne verbindliche Richtlinien und ohne Planungssicherheit zu weit voranprescht, hat zwar einen Reputationsvorteil, aber einen Effizienz-Nachteil gegenüber seinen Wettbewerbern. Deswegen macht es wirtschaftlich Sinn, verbindliche und möglichst EU-weite Regeln einzufordern, wie die Unterzeichner es tun. Die Erklärung ist also sowohl im Hinblick auf die Reputation der Unternehmen als auch betriebswirtschaftlich klug.

Dabei verheimlichen die Unterzeichner nicht, dass sie in Bezug auf Klimafreundlichkeit auch selbst noch einiges an Hausaufgaben zu machen haben. In der 2-Grad-Pressemeldung zur Erklärung heißt es gleich im ersten Absatz nicht nur, dass die Unterzeichner versprechen, „den Klimaschutz selber als Vorreiter voranzutreiben“, sondern auch: „Die Mehrheit der zeichnenden Unternehmen steht selbst vor erheblichen Herausforderungen bei der Dekarbonisierung.“* Eine kluge Ehrlichkeit, die gerechtfertigter (und unvermeidlicher) Kritik an einigen der Unterzeichner den Wind aus den Segeln nimmt.

Doch Achtung: Für einen nachhaltigen Reputationserfolg ist entscheidend, dass die unterzeichnenden Unternehmen die in der Erklärung festgeschriebenen Werte auch tatsächlich leben. Andernfalls wird daraus ein Reputationsrisiko.

 

*Dass „vor erheblichen Herausforderungen stehen“ im Beratersprech „große Probleme haben“ bedeutet, ist allgemein bekannt, oder?

 

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Derweil, bei Mediengau: Kaum sah Jörg Forthmann erste lobenswerte Schritte zur #Dieselgate-Krisen-PR bei VW, da feuert ausgerechnet Konzernchef Matthias Müller die Krise wieder an. Mehr dazu in: Lieber Vorstandsvorsitzender, hilf nicht. Allein ist es schwer genug.

 

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