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Reputationsrisiken: Gefährliche Munition für “Character Assassination”
  • R Heintze
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  • Character Assassination . Disney . Entschuldigung . James Gunn . Marvel . Reputation . Reputationsmanagement .

Erfolgsregisseur James Gunn wegen alter geschmackloser Tweets gefeuert: Disney lässt sich von Hetzer instrumentalisieren?

Ein Mitarbeiter verbreitet unethische Posts im Social Web. Sein Arbeitgeber wird darauf aufmerksam gemacht und feuert ihn zum Schutz der Reputation des Unternehmens. Ein heutzutage fast alltäglicher und meist im Hinblick auf das Reputation Management vollkommen gerechtfertigter Vorgang, den ein Software-Entwickler treffend mit den Worten „Denken Sie daran: Sie sind immer nur einen Tweet weit davon entfernt, gefeuert zu werden“ auf den Punkt brachte.

Auf den ersten Blick scheint die aktuelle Kontroverse um den „Guardians of the Galaxy“-Regisseur James Gunn nicht anders zu sein: Gunn hatte per Twitter eine ganze Reihe außerordentlich abscheulicher „Witze“ verbreitet, woraufhin Marvel-Eigner Disney die weitere Zusammenarbeit mit ihm aufkündigte.

Den genauen Inhalt der Tweets werde ich hier nicht wiedergeben, da die von Gunn gewählten Worte und die Situationen, die er beschreibt, ein widerliches Kopfkino in Gang setzen könnten. Dies möchte ich keinem Leser unnötig zumuten. Nur so viel: Sie sind diskriminierend, herabwürdigend und ekelhaft. Gunn nimmt einige der schrecklichsten Dinge, die einem Menschen widerfahren können, auf die leichte Schulter.

Hat Disney also alles richtig gemacht, um den eigenen Ruf zu schützen?

Leider ist die Causa Gunn um einiges komplizierter.

Sie zeigt uns auch eines: Die Bedrohung durch verborgene Reputationsrisiken, also „Leichen im Keller“, die dem eigenen Ruf gefährlich werden können, besteht nicht nur darin, dass sie von Stakeholdern entdeckt werden, die sich zu Recht darüber erzürnen. Sie stellen auch gefährliche Munition für eine „Character Assassination“ dar – gezielter Rufmord, unter anderem erreicht durch „spinning information that is technically true, but that is presented in a misleading manner or is presented without the necessary context.

Denn Gunns indiskutable Tweets sind nicht nur rund zehn Jahre alt. Seine früheren, peinlichen Versuche an provokant und schockierend gemeintem, aber letztlich vor allem verletzenden und erniedrigenden „Humors“ sind bereits vor den Dreharbeiten zum ersten „Guardians oft he Galaxy“-Films bekannt und Grund für eine öffentliche Kontroverse gewesen. Die endete damit, dass Gunn sich Ende 2012 m.E. aufrichtig, einsichtig und überzeugend für einen ausfälligen Blog-Artikel entschuldigte und mit dem Versprechen schloss: I promise to be more careful with my words in the future. And I will do my best to be funnier as well.

Diese Versprechen hat er seither gehalten.

Warum kocht die Geschichte dann genau jetzt hoch?

Weil ein Hetzer im Social Web sich daran störte, dass Gunn öffentlich US-Präsident Donald Trump kritisiert. Und sich deswegen gezielt auf die Suche nach „Leichen im Keller“ gemacht hat, mit denen er Gunns Karriere zerstören kann. Der eigentliche Inhalt der Tweets dürfte dem Blogger dabei ziemlich egal sein – denn er selbst verhöhnt mit noch viel schlimmeren (und vor allem: nicht als Scherz gemeinten) Tweets die Opfer von Gewaltverbrechen und ruft selbst zu Gewalt auf.

Zwischenfazit: Wer machte was richtig und falsch?

Die Veröffentlichung der alten Tweets brachte Disney in eine schwierige Lage. Denn die Grundhaltung, die Gunn damals an den Tag legte, ist mit dem sauberen und Familien-orientierten Image des Maus-Konzerns tatsächlich unvereinbar. Wären die Tweets aktuell, oder gäbe es Anzeichen, dass Gunn weiterhin uneinsichtig Positionen vertritt, die Disneys Reputation beschädigen– die fristlose Kündigung der Geschäftsbeziehungen wäre die einzig mögliche Reaktion gewesen.

Doch in diesem Fall ist die „Überraschung“ der Disney-Entscheider über Gunns früher an den Tag gelegten „Humor“ zumindest überraschend – denn der war Disney aufgrund der Kontroverse von 2012 schon vor Drehbeginn zum ersten Guardians-Film bekannt. Damals entschied sich der Konzern, die öffentliche Reue des Regisseurs zu akzeptieren und mit ihm weiter zusammenzuarbeiten. Ihn jetzt deswegen zu feuern, kann daher nicht zwingend als Zeichen von Integrität gewertet werden – sondern eben auch als ein Zeichen als Mangel daran.

Es ist ebenfalls die Sichtweise möglich, dass Disney sich hat instrumentalisieren lassen und damit Nachahmer ermutigt, die weitere „Character Assassinations“ auslösen.

Eine andere mögliche Reaktion wäre gewesen: Das Gespräch mit Gunn suchen, und dann ein gemeinsames Statement abgeben. In dem Disney sich einerseits erneut deutlich von den alten Tweets distanziert – gleichzeitig aber klarstellt, dass Gunn den Konzern schon vor Jahren davon überzeugt hat, dass er seine Äußerungen von damals aufrichtig bereut und es nur deshalb überhaupt zur Zusammenarbeit gekommen ist.

James Gunn hat zwei Fehler gemacht: Den ersten vor Jahren, indem er die kruden „Witze“ überhaupt postete und sich damit selbst die Leichen in den Keller legte. Und den zweiten, als er im Jahr 2012 seine Entschuldigung formulierte. In Hinblick auf den Blog-Artikel, an dem sich die Entrüstung damals entzündete, war sie gut formuliert. Vorrausschauend wäre es aber besser gewesen, in dem Zug gleich einzuräumen, dass er über Jahre hinweg mit einem fehlgeleiteten Humorverständnis viele Menschen verletzt hatte. Dies hätte die offene Flanke geschlossen, über die seine neuen Gegner jetzt einbrechen konnten.

Geradezu vorbildlich war hingegen seine aktuelle Reaktion: Gunn befolgte in einem Statement alle Regeln für eine glaubwürdige, öffentliche Entschuldigung; übernahm die volle Verantwortung für seine Tweets, akzeptierte die Konsequenzen, und machte Disney keine Vorwürfe.

Und noch etwas anderes machte Gunn richtig: Er ließ dem Versprechen von 2012, ein besserer Mensch zu werden, Taten folgen. Und das führt uns zum…

Silberstreif am Horizont: Verdient gute Reputation mobilisiert Unterstützer

Reputation bringt Freunde, Freunde bringen Reputation: In Folge der Kündigung äußerten sich viele schwergewichtige Unterstützer zu Wort. Den Anfang machte Muskelpaket Dave Bautista, der den Guardian „Drax the Destroyer“ spielt:

 

Screenshot Tweet Dave Bautista zum Rauswurf von James Gunn: "I will have more to say but for right now all I will say is this..@JamesGunn is one of the most loving,caring,good natured people I have ever met. He’s gentle and kind and cares deeply for people and animals. He’s made mistakes. We all have. Im NOT ok with what’s happening to him"

Quelle: Screenshot Twitter

 

Inzwischen veröffentlichten alle Hauptdarsteller der Guardians-Filme einen gemeinsamen offenen Brief, in dem sie sich hinter Gunn stellen und aus eigener Erfahrung bestätigen, dass der Regisseur heute nicht mehr der Mensch ist, der vor Jahren diese Witze machte.

Die wohl pointierteste Verteidigung kam von der Schauspielerin Selma Blair. Blair wurde vor Jahren von einem Regisseur bedroht und belästigt, und Gunn half ihr dabei, mit der Geschichte schließlich an die Öffentlichkeit zu gehen. Per Tweet forderte sie Disney auf, Gunns Rausschmiss rückgängig zu machen – aus einem sehr einleuchtenden Grund:

 

Because if people are punished despite changing, then what does that teach people about owning mistakes and evolving? This man is one of the good ones.

 

Vielleicht bringt diese Unterstützung eine Wende – die Hollywood-Presse berichtet über Gerüchte, dass es tatsächlich zu einem Treffenzwischen den Disney-Verantwortlichen und Gunn kommen könnte – und dass die Möglichkeit besteht, dass Gunn doch beim dritten Teil von Guardians of the Galaxy wieder auf dem Regie-Stuhl Platz nehmen wird…

 

Roland Heintze

 

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