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Schlaue Nabelschau
  • R Heintze
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  • Compliance . Reputation . Reputationsmanagement . Studie . Telekom . Unternehmenskultur .

Telekom erforscht eigene Unternehmenskultur, um Reputationsschäden durch mangelnde Compliance zu verhindern

„Gesetzes- und Regelbrüche in Unternehmen gefährden Reputation und Geschäftserfolg – das haben diverse Fälle bei Dax-Konzernen in den vergangenen Jahren gezeigt.“ Für regelmäßige Reputationsprofis-Leser ist dieser Satz inhaltlich nicht neu. Sehr interessant ist aber, wo er steht: Am Anfang einer aktuellen Pressemeldung der Deutschen Telekom. Der Telekommunikations-Gigant verkündet darin, dass er integres Verhalten und Widerspruchskultur im Konzern stärken will, um so Compliance-Risiken zu minimieren.

Als ersten Schritt auf dem Weg dorthin will die Telekom in einer großangelegten, wissenschaftlichen Studie die tatsächlich gelebte Unternehmenskultur im Konzern untersuchen. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass es nicht genügt, formal ein „Compliance Management System zu etablieren, um Verstöße zu verhindern, aufzuklären und zu ahnden. Entscheidend ist letztlich auch eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter Fehlverhalten offen ansprechen können”, wie Thomas Kremer, Vorstand Datenschutz, Recht und Compliance bei der Deutschen Telekom, in der Meldung zitiert wird. Deshalb sollen die European School of Management and Technology (ESMT) und die Hertie School of Governance die Kultur im Unternehmensalltag untersuchen und nach potenziellen Quellen für Fehlverhalten durchleuchten.

 

Telekom-Pressebild: Lupe über Telekom-Logo

Telekom nimmt eigene Unternehmenskultur unter die Lupe.
Bild Quelle / © Telekom-Pressemeldung

 

Ist das eine gute Idee?

Ja, auf jeden Fall.

Und nicht nur die Idee ist gut, sondern auch der Plan zur Umsetzung.

Für kleine und mittelständische Unternehmen, in denen vom Praktikanten bis zum Geschäftsführer jeder jeden kennt, wäre eine mehrmonatige Untersuchung durch zwei Hochschulen sicherlich Overkill. Dort ist die Unternehmenskultur (in der Regel) allseits offensichtlich. In einem globalen Konzern mit mehr als 225.000 Mitarbeitern sieht das hingegen anders aus. Hier können sich sehr schnell „Parallelgesellschaften“ in einzelnen Bereichen und Abteilungen bilden, die zwar ein Lippenbekenntnis zu offiziellen Unternehmensrichtlinien abgeben, gleichzeitig aber ethisch und rechtlich bedenkliche und für die Reputation gefährliche, inoffizielle Strukturen etablieren. Ohne das dies auf Vorstandebene bekannt wäre, bevor es knallt und ein schwerer Reputationsschaden entsteht.

Die Telekom hat die Bedeutung der Unternehmens-Reputation und das potenzielle Reputationsrisiko einer Unternehmenskultur, in der das offene und konstruktive interne Kommunizieren von Problemen und Fehlern gehemmt wird, offensichtlich erkannt. Und sie geht systematisch dagegen vor, bevor eine Reputationskrise eintritt. Das ist klug und zielführend – nicht umsonst ist Reputationsrisiken suchen und eliminieren die erste der drei Säulen der Dreifaltigkeit des Reputationsmanagements.

Die Studie selbst wird zusätzlich zu den Hochschul-Teams noch von einem unabhängigen Expertenkreis begleitet, der auch eigene Verbesserungsvorschläge erarbeiten soll. Mit der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und einer Vertreterin von Transparency International hat sich die Telekom für diesen Expertenkreis prominente und reputationsstarke Partner ins Boot geholt, die die Glaubwürdigkeit der Studie und der Absichten des Unternehmens stärken.

Die für Mitte 2017 erwarteten Ergebnisse der Studie sollen obendrein die Grundlage für ein Weißbuch bilden, „aus dem auch andere Unternehmen Erkenntnisse für eine Kultur ziehen können sollen, die das Risiko von Gesetzes- und Regelbrüchen minimiert.“

Darauf bin ich gespannt!

Roland Heintze

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Derweil, bei Mediengau: Jörg Forthmann erläutert, wie sich Rückgrat im Olympia-Skandal lohnt.

 

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