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Streisand-Effekt: SWR bringt Daimler in Not
  • R Heintze
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  • Daimler . Investigativ-Journalismus . Reputation . Reputationsmanagement .

Ungeschickt: Autobauer setzt durch Prozesswut Reputation auf Spiel

 

Daimler will nicht, dass Sie das sehen: Alte SWR-Reportage bei Youtube (Screenshot)

Daimler will nicht, dass Sie das sehen: Alte SWR-Reportage bei Youtube (Screenshot)

Hungerlohn am Fließband“ – unter diesem Titel strahlte der Südwestrundfunk im Mai 2013 eine Reportage aus, die in wesentlichen Teilen mit versteckten Kameras im Untertürkheimer Werk des Automobilkonzerns Daimler gedreht wurde. Mit den heimlich gefertigten Aufnahmen wollte der SWR zeigen, wie Tariflöhne durch den geschickten Einsatz von Werkverträgen umgangen werden. Obwohl der Film schon mehr als zwei Jahre alt und inhaltlich längst überholt ist, ist er medial immer noch ein Thema – dank Daimler selbst.

Der Autobauer versucht mit aller Gewalt, dem SWR eine Wiederholung der Reportage gerichtlich zu verbieten und fährt dabei eine Niederlage nach der anderen ein – zuletzt vor dem Oberlandesgericht Stuttgart ohne Revisonsmöglichkeit. Trotz Klatsche scheinbar kein Grund, aufzugeben – Daimler kündigte an, eine Nichtzulassungs-Beschwerde beim BGH einzureichen.

Unter Reputationsgesichtspunkten schlägt Daimler so die wohl ungeschickteste Route ein.

Nicht nur, dass die Erfolgsaussichten gering sind – Daimlers Klagewut sorgt erst dafür, dass das Thema über Jahre in den Medien aktuell bleibt. Ein Bilderbuch-Beispiel für den so genannten „Streisand-Effekt“: Der Versuch, bestimmte Informationen zu unterdrücken, lenkt erst wirklich große Aufmerksamkeit darauf.

Selbst wenn ein Gericht dem SWR die Wiederholung verbieten sollte, hätte Daimler damit nichts erreicht. Denn zum einen hat der Sender überhaupt nicht vor, die zwei Jahre alte Reportage erneut auszustrahlen – und zum anderen ist sie längst auf Youtube zu finden.

Aber natürlich geht es Daimler in erster Linie gar nicht wirklich darum, eine Wiederholung des Films zu verhindern. Vielmehr will der Konzern ein Grundsatzurteil erreichen, in der Hoffnung, solche investigativen Recherchen mit versteckter Kamera in Zukunft zu unterbinden oder zumindest die Latte dafür höher zu hängen: Hier geht es um Abschreckung.

Keine gute Idee: Denn wenn die stärkste Reaktion auf die Aufdeckung von Missständen im eigenen Betrieb der (vergebliche) Versuch ist, zukünftige Investigativ-Journalisten zu entmutigen, entsteht einmal mehr der Eindruck: Daimler hat etwa zu verstecken.

Der Versuch, die eigene Reputation mit der juristischen Keule wiederherzustellen, ist meistens zum Scheitern verurteilt. Für Daimler hatte er nicht nur zur Folge, dass das Thema sich über Jahre in den Medien hielt – jetzt wurde sogar über zwei Instanzen richterlich bestätigt, dass die Art und Weise, wie Daimler Werksverträge einsetzte, zwar nicht illegal, aber gefühlt nicht in Ordnung gewesen ist. Autsch, Eigentor.

 

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