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Handelsblatt baut das Perpetuum Mobile in der Debeka-Krise
  • Jörg Forthmann
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  • Debeka . Denunziant . Handelsblatt . Informant . Investigativ-Journalismus .

Handelsblatt baut das Perpetuum Mobile in der Debeka-KriseDas Handelsblatt treibt seit Tagen die Krisen-Berichterstattung zur Debeka voran. Erstmals gibt es jetzt den “Online-Briefkasten der Redaktion zur Debeka” – also die Aufforderung an die Leser, die Debeka-Berichterstattung weiter zu befeuern. Das ist eine Weiterentwicklung zu den anonymen Briefkästen, die die Redaktion für Informanten generell anbieten. Investigativ-Journalist Sönke Iwersen des Handelsblatt baut damit das Perpetuum Mobile für die Krisen-Berichterstattung: Die prominente Berichterstattung sorgt für hohe Aufmerksamkeint bei der Debeka und ihrem Umfeld – Informanten liefern neues Material – Iwersen hat den nächsten Artikel auf der Titelseite – weitere Informanten liefern – …

Wenn dieses Modell, “seine Geschichte” auf diesem Weg fortzuschreiben, erfolgreich ist und unter Journalisten Schule macht, sind Kommunikatoren gut beraten, sich hierauf in heranziehenden Krisen vorzubereiten:

  1. Die Eskalation eines Krisenthemas zum Top-Thema muss mit aller Macht verhindert werden – denn nur Top-Themen werden so intensiv von den Redaktionen bearbeitet. Die Debeka macht vor, wie es nicht geht. Sie rennt seit der Handelsblatt-Anfrage den Geschehnissen hinterher. Deutlich klüger wäre es gewesen, frühzeitig Stopp-Punkte zu setzen, die jetzt nicht mehr funktionieren.
  2. Schon vor der Krise sollten Vorbereitungen getroffen sein, welche Verbündete in der Krise zur Hilfe eilen, Entlastung schaffen und Glaubwürdigkeit für die eigene Situation spenden. Beispiel Debeka: Heute wird die Rechtmäßigkeit des eigenen Vertriebsmodells selber vorgestellt. Zu spät. Nicht von unabhängiger, dritter Seite. Infolge dessen verpufft die Erklärung wirkungslos.
  3. Aktionen müssen rechtzeitig kommen – vor der Erstveröffentlichung. Erst als das Handelsblatt berichtet hatte, setzte die Debeka die Staatsanwaltschaft in Marsch – und gab der Berichterstattung neue Nahrung. NUn wird eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Prüfung der Vorwürfe beauftragt. Gut eine Woche vorher hätte diese Maßnahmen noch geholfen, den Vorwurf zu entkräften, dass das Topmanagements tatenlos zusieht und möglicherweise sogar selber im Skandal tief verwickelt ist – und einen wesentlichen Baustein der Berichterstattung abgeschwächt.

Wenn erst einmal die Medien das Perpetuum Mobile gebaut haben, ist die Dynamik der Krise nur noch schwer zu durchbrechen. Die Krisenberichterstattung nährt sich selbst. Dann helfen nur noch schweres juristisches Geschütz (wenn es denn Munition hat) oder sehr deutliche Konsequenzen im Topmanagement. Wir werden sehen, was demnächst bei der Debeka passiert…

Jörg Forthmann

 

 

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