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Krisen-PR der FIFA: zur Transparenz gezwungen
  • Jörg Forthmann
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  • Bestechung . FIFA . Garcia-Report . Korruption .

Geheim gehaltener Garcia-Report nun doch öffentlich

Michael J. Garcia hat im Auftrag der FIFA Mißstände im Fußball untersucht. Sein Bericht blieb geheim. Er trat daraufhin 2014 zurück. Nun hat die FIFA die Reports trotzdem veröffentlicht – weil die Bild-Zeitung sie publizieren wollte. Lesen Sie hier, was wirklich im Report steht.

Die Bild-Zeitung nennt den Garcia-Report selbstbewusst  “das brisanteste Dokument der Sportgegenwart”. Der Untersuchungsbericht des New Yorker Anwalts lag zwei Jahre unter Verschluß. Bis gestern. Am 27. Juni veröffentlichte die FIFA den dreiteiligen Report auf ihrer Webseite mit der Überschrift “FIFA statement on recent media coverage regarding the ‘Garcia report'”. So ganz freiwillig ist diese Transparenz also nicht.

Die Bild-Zeitung fasst die Inhalte des Reports – “das Sittengemälde über ein System aus Korruption und Bestechung” – so zusammen:

“Vor fünf Jahren beauftragte die Fifa den ehemaligen US-Bundesstaatsanwalt Michael J. Garcia, die dubiosen Umstände rund um die Vergabe der Fußball-WM nach Russland und Katar zu untersuchen. Bei der Vergabe zwei Jahre zuvor hatte es massive Hinweise darauf gegeben, dass Russland und Katar bei der geheimen Abstimmung über den Austragungsort Stimmen von Exekutivmitgliedern gekauft haben sollen.”

Bislang gab es nur eine 42-seitige Zusammenfassung des Reports, die allerdings laut Garcia nicht ausreichend gewesen sei.

Tatsächlich hat die FIFA den Report an Strafverfolgungsbehörden ausgehändigt. Laut Medienberichten soll dies die Grundlage für die Verhaftung von sechs Sportfunktionären im Mai 2015 in Zürich und für zahlreiche Sperren von Spitzenvertretern der FIFA gewesen sein.

Die Bild-Zeitung kündigt ihre Enthüllungen mit mehreren Punkten an:

  • Wie drei (wohlgemerkt nur drei, d. Red.) stimmberechtigte Exekutivmitglieder vor der Abstimmung in einem Privatflieger des katarischen Fußballverbands zu einer Sause nach Rio geflogen wurden. Nobel-Hotel, Edel-Golfclub – alles inklusive.
  • Wie ein ehemaliges Exekutivmitglied Katar-Funktionären unmittelbar nach der Wahl zur WM gratulierte und sich per Mail für die Überweisung von mehreren hunderttausend Euro bedankte. Zweck und Verwendung der Überweisung? Ungeklärt!
  • Wie zwei Millionen Dollar mit unbekannter Herkunft auf dem Sparbuch der 10-jährigen Tochter eines FIFA-Funktionärs landeten.
  • Wie die engste Mitarbeiterin von FIFA-Boss Blatter ungeniert in Katar um einen Auftrag für die Baufirma ihres Ehemannes buhlte.
  • Welche Rolle die Führungsspitze der katarischen “Aspire Academy”, dem größten Sportzentrum der Welt, bei der Manipulation der stimmberechtigten Funktionäre gespielt hat.

Die Bild-Zeitung hat die Enthüllung des Garcia-Reports also ordentlich gehypt. Journalisten von anderen Redaktionen kommen zu einer eher zurückhaltenderen Beurteilung des Reports. Doch lesen Sie selbst. Hier können Sie sich das dreiteilige Dokument herunterladen:

Wie auch immer der Report heute beurteilt wird, die FIFA hat sich mit ihrem Vorgehen überhaupt keinen Gefallen getan. Zwei Kardinalfehler hat sie begangen. Der erste Fehler ist das Anheizen des journalistischen Interesses durch das Wegschließen des Garcia Reports in den FIFA-Tresoren. Es hat immerhin zwei Jahre gedauert, aber es ist genau das eingetreten, was garantiert irgendwann passiert: Ein Journalist bekommt den Report in die Hände und macht daraus einen öffentlichkeitswirksamen Scoop. Und zwar zu einem Zeitpunkt, den die FIFA nicht selbst steuern kann. Die Geschichte wird also auf jeden Fall irgendwann groß weitergeschrieben.

Der nächste Fehler sind fehlende Konsequenzen aus dem Report. Die Öffentlichkeit möchte einen sauberen Fußball. Daran bestehen heute noch große Zweifel. Die FIFA hat es versäumt, die Zeit bis zur unfreiwilligen Veröffentlichung zu nutzen, um einmal in der Organisation gründlich und glaubwürdig durchzufegen. Das fällt dem Verband jetzt auf die Füße.

Daher ist die Veröffentlichung des Garcia-Reports leider nur eine weitere Etappe in der Zerstörung der FIFA-Reputation.

Jörg Forthmann

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