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Krisen-PR: Lernen von Charlie Hebdo
  • Jörg Forthmann
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  • Befreiungsschlag .

Wie die Satiriker den Terror entwaffnen

Krisen-PR charlie-hebdoCharlie Hebdo provoziert mit seinem Cover zu den Anschlägen in Paris. Was Krisenkommunikatoren und Topmanager von den Satirikern lernen können, lesen Sie hier.

Charlie Hebdo hat mit seinem nächsten Heft, das Mittwoch erscheint, sofort auf die Terroranschläge in Paris reagiert: Zu dem Titel “Sie haben die Waffen. Wir scheißen auf sie, wir haben den Champagner!” ist ein von Kugeln durchsiebter Mann zu sehen, dem Champagner aus den Einschusslöchern fließt. Die französischen Satiriker haben die Bedrohung durch Terroristen mit Witz entwaffnet.

Die einzige Antwort auf die Terroristen müsse lauten, dass der Terror, den sie versuchen zu verbreiten, unnütz sei, zitierte die französische Zeitung „Libération“ aus dem Heft.

Auch wenn ein Terrorangriff weitaus dramatischer ist als die Konfrontation eines Unternehmens, zum Beispiel durch Umwelt- oder Tierschutzorganisation, können Krisenkommunikatoren und Topmanager von den französischen Satirikern das Strickmuster abschauen. Wendelin Wiedeking hat zu seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender bei Porsche derart klug auf eine Demonstration von Greenpeace vor der Veranstaltungshalle der Aktionärsversammlung reagiert: “Wir sind jetzt wirklich zu einem der großen Autohersteller aufgestiegen, Greenpeace steht vor der Tür!” Die Greenpeace-Botschaften gingen unter; alle lachten über die Ironie des Autobosses. Die große Herausforderung ist dabei, mit einem Augenzwinkern auf sich selbst zu schauen. Charlie Hebdo karikiert die französische Lebensart, Wiedeking spielt auf die die lange Sehnsucht des Autoherstelles an, endlich zu den Großen der Branche zu gehören.

“Im Netz wird heftig darüber gestritten, ob der neue Titel des Magazins gelungen ist – oder doch eher geschmacklos angesichts der Terroranschlägen, bei denen am vergangenen Freitag 129 Menschen getötet wurden”, berichtet der Tagesspiegel. Diese Kritik zeigt den schmalen Grat auf, der bei einer derartigen Reaktion auf einen ernsthaften Angriff zu bewältigen ist. Gut gemacht, ist die satirische Reaktion ein voller Erfolg. Auch nur leicht falsch intoniert, geht die Aktion vollkommen schief.

Das Entwaffnen anderer ist eben die ganz hohe Schule.

Jörg Forthmann

P.S.: Der Titel des nächsten “Spiegel” geht in die gleiche Richtung:

Spiegel-Titel

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