Krisen-PR: Warum die Benzinpreis-Empörung an Shell & Co. abperlt - Faktenkontor Krisen-PR: Warum die Benzinpreis-Empörung an Shell & Co. abperlt - Faktenkontor

Krisen-PR: Warum die Benzinpreis-Empörung an Shell & Co. abperlt

Tankstellenbetreiber halten sich klug in Deckung

An den Zapfsäulen kocht die Empörung der Verbraucher hoch. Da kommt für die Tankstellenbetreiber die Ankündigung von Wirtschaftsminister Habeck extrem ungelegen, dass er das Kartellamt die Preisbildung an den Tankstellen prüfen lässt. Nutzen Shell, Aral & Co. die aktuelle Kriegssituation zu Lasten ihrer Kunden aus? Sehen Sie hier, wie gefährlich diese Diskussion für die Tankstellenmarken wirklich ist.

Die Reichweite der Berichterstattung über die hohen Preise ist in den letzten Tagen tatsächlich angewachsen. Aber – mit direktem Bezug zu Shell, Aral, Esso und Avia – ist dieser Anstieg überschaubar. Deutlich mehr Berichterstattung gab es im März zum Beispiel über die Entscheidung von Shell, sich aus dem Öl- und Gasgeschäft in Russland zurückziehen zu wollen. Auch die Diskussion, ob man jetzt Shell-Aktien kaufen sollte, fand eine höhere Reichweite. Bei der Tonalität sind die Tankstellenbereiber ebenfalls bislang glimpflich davon gekommen; man ist nur leicht im Negativen. Die Viralität – Indiz für Emotionalität – dümpelt nahe der Nulllinie.

Krisen-PR der Tankstellenbetreiber funktioniert – bislang

Was ist da los? Es wirkt immer noch der Eindruck nach, dass die Hauptursache für hohe Benzin- und Dieselpreise der Ukraine-Krieg ist. Bei Anfeindungen, dass die Herren über die Zapfsäulen ihre Preise absichtlich hoch halten und damit Gewinne aus dem Krieg ziehen, wird gerne Branchenvertretern der Vortritt gelassen. Die Pressesprecher der Ölkonzerne halten sich vornehm zurück. So gibt es bislang vor allem ein Branchen-Bashing. An den einzelnen Tankstellenbetreibern geht medial die Empörung einigermaßen glimpflich vorbei.

Doch das ist ein dünnes Eis. Wenn sich die Empörung verfestigt, werden auch Shell & Co. in die Diskussion hineingezogen. Deshalb ist es für die Pressestellen der betroffenen Häuser aktuell sehr wichtig, das Medienecho extrem eng zu beobachten – und vor allem die Viralität als Frühindikator für aufkommende Empörung im Auge zu haben.

Jörg Forthmann

 

 

 

 

Jörg Forthmann
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