Krisen-PR: Wie der Kult mit der Fischstäbchenpizza in die Hose geht - Faktenkontor Krisen-PR: Wie der Kult mit der Fischstäbchenpizza in die Hose geht - Faktenkontor

Krisen-PR: Wie der Kult mit der Fischstäbchenpizza in die Hose geht

Eigentlich war es nur ein Witz. Doch nun soll die Fischstäbchenpizza von Dr. Oetker in limitierter Auflage doch wahr werden. Solche Ideen können Kult werden. Man denke an die Schoko-Sondereditionen von Ritter Sport, die zum Teil mit hohen Aufschlägen an Liebhaber weiter verkauft werden. Sehen Sie hier, warum dieser Kultversuch geplatzt ist.

Die Marketingabteilungen von Dr.Oetker und Iglo haben mit ihrer Kooperationspizza den Versuch unternommen, aus einem Gag nun Wahrheit zu machen – wenn das gelingt, kann das der Anfang für ein Kultprodukt oder gar für eine Kult-Produktserie sein. Doch die Fischstäbchenpizza wäre wohl besser nur ein Gag geblieben. Die Resonanz ist bei weitem nicht glücklich: Die mutige Pizzakreation hat viele Erwähnungen ausgelöst, und sie ist viral gegangen. Wobei eine Woche vorher die Viralität deutlich höher war. An diesem Tag ging ein Witz deutlich stärker durch’s Netz: „Der Arzt hat mir Kuchen und Eis verschrieben.“ „Liebes, Dr. Oetker ist kein Arzt.“ Die Begeisterung für die neue Pizza war sehr überschaubar. Die Tonalität ist neutral und damit schlechter als im Jahresdurchschnitt für Dr. Oetker. Begeistert positiv ist sie schon gar nicht.

Die Kreation eines Kults ist eine Gratwanderung

Dabei sind Produkt-Sonderkreationen bei anderen Herstellern ein gigantischer Erfolg. Man denke an Ritter Sport, Lego oder Playmobil. Warum scheitert die Fischstäbchenpizza? Die Schoko-Kreationen sind ungewohnt, aber lecker. Die in kleiner Auflage produzierten Themenwelten von Lego und Playmobil bilden Themen der Gegenwart ab und finden so Eingang ins kindliche Spiel, oder sie sind – a la Star Wars – eine positiv aufgeladene Phantasiewelt, in die sich Kinder (und vielleicht auch ihre Eltern) gerne hineinziehen lassen. Kann da eine Fischstäbchenpizza mithalten? Nein, so gar nicht. Es sind zwei Convenience-Produkte, die alleine schon nicht mit dem Original vom italienischen Restaurant oder vom Fischrestaurant mithalten können. Zusammen entsteht in der Phantasie der Menschen offensichtlich ein kulinarisches Grauen – eher geeignet für eine jugendliche Mutprobe als für ein gelungenes Familien-Abendessen in der Woche.

Es ist nicht die falsche Kommunikation, die Fischstäbchenpizza ist das falsche Produkt

Es liegt damit nicht an der Kommunikation, sondern am Produkt. Die Etablierung eines Kults ist eine absolute Gratwanderung, und so ist es leicht, im Nachhinein neunmalklug das Scheitern zu analysieren. Doch ein scharfer Blick auf kultige Produkt-Sondereditionen hätte womöglich geholfen, dieses Echo zu antizipieren.

Jörg Forthmann

Jörg Forthmann
Posted inKrisen-PR Blog: MediengauTags: , , , ,

Diesen Beitrag kommentieren:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.