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Vattenfall: Helft nicht, allein ist es schwer genug
  • Jörg Forthmann
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lesetagMit den “Vattenfall Lesetagen” gibt sich der Vattenfall alle Mühe, sich in Hamburg von der besten Seite zu zeigen. “Mit einem abwechslungsreichen Programm für Erwachsene und Kinder” realisiert der Energiekonzern zum 15. Mail ein Frühjahrsfestival der Literatur. Doch es gibt Gegenwind: Atomstromgegner organisieren gleich zwei Gegen-Lesetage. Unterstützer wandern ab, und die Öffentlichen Bücherhallen stellen ihre Räume nicht mehr zur Verfügung. Vattenfall bemüht sich konsequent um Deeskalation – wäre da nicht die streitbare Kuratorin der Vattenfall Lesetage, Barbara Heine. Sie schrieb kurzerhand Mails an verschiedene Autoren, die bei “Lesen ohne Atomstrom” auftreten: Die Initiative sei linksradikal und ein Bündnis aus “autonomen Aktivisten, Öko-Saft-Produzenten und Fernseh-Promis”. Ihr Ehemann, Matthias Schumann, soll für das Online-Portal “Hamburger Feuilleton” Recherchen zu den Unterstützern des Anti-Vattenfall-Festivals angestellt haben – um deren Unterstützer wie den NDR oder das Goethe-Institut damit zu konfrontieren.

Das heizt den Konflikt um die Vattenfall-Lesetage gehörig auf. Die Kommunikationsstrategie von Vattenfall der Deeskalation (fast bis zur Selbstaufgabe) scheitert. Nicht zuletzt, weil die Vattenfall-Gegner die Aktivitäten der Kuratorin sofort aufgreifen und medial hochputschen. Beschwichtigende Äußerungen von Vattenfall dringen kaum mehr durch.

Zwei Ansätze, um die Krise unter Kontrolle zu bringen, verfolgt Vattenfall unterdessen nicht:

  • Konsequenzen ziehen und
  • die Verbrüderung mit den Menschen gegen seine Gegner suchen.

Um die Angriffsfläche zu reduzieren und zu zeigen, dass man sich von der Kuratorin distanziert, sollte Vattenfall die Zusammenarbeit mit Heine beenden. Obendrein sollte Vattenfall die Verbrüderung mit den Hamburgern suchen und eine Kampagne starten “Warum macht ihr die Lesetage kaputt?” So eine Kampagne ist nicht laut, aber sie setzt bei den zahlreichen Unterstützern an, die es immer noch gibt. Die große Kunst ist, diese Vielzahl kleiner Unterstützer zu einer großen Stimme zu formieren – ohne den Eindruck zu erzeugen, dieser Widerstand ist von Vattenfall inszeniert.

Jörg Forthmann

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