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Weihnachtsente auf Mistgabel: Das Wiesenhof-Rezept für die PR-Krise
  • Jörg Forthmann
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  • NGO . Peta . Tierschutz . Wiesenhof .

WiesenhofDie Aktion der Tierschützer kommt zur Unzeit: Rechtzeitig vor dem wichtigsten Verkaufszeitraum für Enten – dem Weihnachtsfest – präsentiert Animal Equality ein Video, wie in einem Zuliefererbetrieben von Wiesenhof schwache Enten mit der Mistgabel aufgespießt und in den Müll geworfen werden. Die Bilder sind furchtbar. Die Empörung in Behörden und bei Fachleuten ist groß. Und dennoch verpufft die Kampagne. Was ist da passiert?

Aktivisten filmten und fotografierten heimlich Anfang Dezember in den Ställen eines Brandenburger Mastbetriebs, der auch Wiesenhof beliefert. Wesentlich ertragreicher war jedoch eine versteckte Kamera, die den brutalen Umgang mit den Tieren filmte: Arbeiter schlagen auf lebende Enten ein, spießen sie mit der Mistgabel auf und werfe sie auf eine Kiste auf dem Anhänger ihres Traktors. Es wird vermutet, dass so schwache Tiere frühzeitig ausgesondert werden.  Die Bewertung der Bilder ist eindeutig: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz!

Ungeeignete Krisenkommunikation: Geschäftsführer mimt den Ahnungslosen

Der Geschäftsführer des Betriebs gibt sich bei Journalistenanfrage ahnungslos: Die durch seine Mitarbeiter vorgenommenen Misshandlungen würde die Firma “verabscheuen und verurteilen”. Der Auftrageber Wiesenhof – bereits von mehreren Tierschutzkampagnen leidgeprüft – reagiert unterdessen konsequent. Die Situation sei völlig inakzeptabel, Strafanzeige sei bereits gestellt und der Vertrag mit dem Zuliefererbetrieb fristlos gekündigt. Diese klare Konsequenzen sind aus Sicht der Krisenkommunikation sehr zu begrüßen. So distanziert sich Wiesenhof eindeutig. Angesichts der mindestens ebenso schlimmen Bilder der Tierschutzorganisation PETA bei Wiesenhof wäre diese Distanzierung allerdings weitgehend wirkungslos geblieben. Dem Unhold glaubt man nicht (mehr).

Glück in der Krise: Tierschützer verstehen das Kommunikationshandwerk nicht

Wiesenhof hat großes Glück im Unglück. Die Aktivisten von Animal Equality stellen sich sehr ungeschickt an. Das Video auf Youtube gehört nicht zu den Topsuchergebnissen für das Suchwort “Wiesenhof”. Und wer es dann doch mühselig gefunden hat, bekommt ein wenig ansprechendes Video gezeigt. Viralpotenzial: null. Die im Text zum Video gezeigten Links führen ins Leere. Nein, so sieht kein ernsthafter Gegner in der Krisenkommunikation aus. So dürfte der Entenabsatz zu Weihnachten für Wiesenhof ungetrübt sein.

Jörg Forthmann

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