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Bundeswehr schießt mit ihrem "Adventure Camp" gehörig daneben

Die Bundeswehr müht sich nach Kräften um Nachwuchs und bewirbt ihr “BW-Adventure Camp” bei der Bravo. “Terres de Hommes” schreit auf: Die Kampagne sei irreführend und verstoße gegen die Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention. Tatsächlich nennt Bravo als Kernzielgruppe Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Erreichen will die Bundeswehr nach eigener Aussage die 16- bis 21-Jährigen. Schlimm genug, dass die Bundeswehr Kinder für den Dienst an der Waffe begeistern will. Schlimmer jedoch ist die Art, wie es die Bundeswehr tut. Die Kampagne erinnert an Adventure-Urlaub. Ist das die Bundeswehr, bei der tausende von Soldaten in kriegerischen Auseinandersetzungen im Einsatz sind? Wo es Tote, Verletzte und Traumatisierte gibt? Was empfinden Soldaten im Einsatz, wenn sie diese Kinderkampagne sehen? Die Bundeswehr präsentiert sich mit einem Selbstverständnis, das beschämend ist.

Und was ist die Ursache für diesen Fehlgriff? Fehlender Mut. Anstatt sich mit den realen Bedingungen in der deutschen Armee auseinander zu setzen und sich dazu zu bekennen, werden Traumbilder bedient. Wenn die Verantwortlichen in der Bundeswehr mehr Mut hätten, würden Sie mit dem Dienst für das Vaterland werben, mit Verantwortung für Kameraden, Gemeinschaftsgefühl und dem Erlernen von Führungsfähigkeiten. Das sind Stichwörter, die wahrlich nicht “hipp” sind – aber konservative Werte greifen wieder um sich, auch bei Jugendlichen. Die Bundeswehr ist mit dieser Selbstdarstellung näher an ihrer Zielgruppe der jungen Erwachsenen als sie selber denkt. Stolz, Selbstbewußtsein, Bestätigung für Mut und Einsatz: Damit könnten sich auch die Soldaten im Feld identifizieren. Ein potemkinsches Dorf ist in der Kommunikation sehr gefährlich – die Bundeswehr lernt das gerade.

Jörg Forthmann

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