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Dummheit in der Krisen-PR: Boeing-Chef entschuldigt sich
  • Jörg Forthmann
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  • Boeing . Entschuldigung . Schadenersatz .

Wissen Sie, warum die Entschuldigung ein großer Fehler war?

Boeing-Chef Dennis Muilenburg hat sich bei den Angehörigen der Absturzopfer entschuldigt. Lesen Sie hier, warum das sehr unklug war – und was die bessere Lösung gewesen wäre.

Muilenburg hat ein ausführliches CBS-Interview gegeben und sich bei den Angehörigen der Absturzopfer erstmalig entschuldigt. Im Oktober 2018 und im März 2019 war jeweils eine Boeing 737 Max abgestürzt. Wörtlich sagte Boeing-CEO:

“I do personally apologize to the families. We feel terrible about these accidents, and we apologize for what happened, we are sorry for the loss of lives in both accidents, and that will never change. That will always be with us. I can tell you it affects me directly as a leader of this company, it’s very difficult.”

Aus Sicht der Krisen-PR war diese Entschuldigung längst überfällig. Aber der Topmanager hätte sie nie aussprechen dürfen. Es ist kein Zufall, dass sich Volkswagen nie für die Dieselmanipulation bei seinen Kunden entschuldigt hat, dass der Lufthansa-Chef beim Flugzeug-Absturz in Frankreich ohne Entschuldigung auskam und dass sich die Deutsche Bahn erst nach vielen Jahren zu einer Entschuldigung gegenüber den Opfern und Angehörigen des Eschede-Unglücks durchrang. Juristen fürchten, dass eine Entschuldigung ein indirekts Schuldeingeständnis ist – und später bei Gerichtsverhandlungen über Schadenersatzzahlungen gegen das Unternehmen verwendet wird.

Muilenburg erklärt – aus Sicht von Juristen – Boeing unnötig für schuldig

Da hilft es auch wenig, dass sich Muilenburg “persönlich entschuldigt” hat. Er hat es in seiner Funktion als Boeing-CEO getan. Das genügt. Zu allem Unglück schiebt er gleich hinterher: “We feel terrible about these accidents.” Das tut nur jemand, der Schuld trägt.

Was auch immer Muilenburg geritten hat, diese Aussage war – aus juristischer Sicht – ein großer Fehler. Gleichwohl ist Boeing in einer fulminanten Kommunikationskrise, gerade weil diese Entschuldigung aus Sicht der Öffentlichkeit schon viel früher hätte kommen müssen. Die Rechtsanwälte von Boeing hätten dennoch diese Aussage unbedingt verhindern wollen. Denn so eine Aussage kann teuer werden. Richtig teuer.

Echte Anteilnahme wäre die bessere Lösung gewesen

Krisenkommunikatoren müssen sich dem Veto der Juristen allerdings nicht vollkommen beugen. Wenn schon eine Entschuldigung nicht möglich ist, Anteil nehmen geht allemal. Und das lässt sich ebenso emotional in einem Interview transportieren. Damit wäre der Boeing-CEO deutlich besser beraten gewesen.

Jörg Forthmann

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