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Krieg der Bilder: ZDF schickt Drohnen
  • Jörg Forthmann
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  • Investigativ-Journalismus .

Investigativ drohneDass die Investigativredakteure der öffentlich-rechtlichen Sender bei ihren Recherchen und bei verfälschender Berichterstattung nicht zimperlich sind, ist unter Krisenkommunikatoren hinlänglich bekannt. Nun zeigt ein Fall in Berlin: ZDF-Reporter setzen gezielt Drohnen ein, wenn ihnen anderweitig Aufnahmen verboten werden. Was das für Sie bedeutet, lesen Sie hier.

Der Drohneneinsatz der Frontal21-Redaktion bei einem Flüchtlingsheim hat zu einem öffentlichen Schlagabtausch zwischen dem ZDF und dem Heimbetreiber geführt. Mittwochnachmittag sei bei Dreharbeiten eine Kameradrohne vor das Fenster eines Flüchtlingszimmers gesteuert worden sein. Der Flüchtling Sarshar A. habe sie unmittelbar vor dem Fenster seines Zimmers bemerkt und dadurch einen Nervenzusammenbruch erlitten. Frontal21 behauptet, die Drohne sei nicht näher als 100 Meter an das Flüchtlingsheim heran geflogen und habe auch keinen Zoom gehabt.

ZDF-Reporter lassen sich nicht bremsen

Für Krisenkommunikatoren sind die Umstände des Drohneneinsatzes beunruhigend: Der Pflegeheimbetreiber hat Aufnahmen in der Einrichtung nicht erlaubt. Als die Drohne starten sollte, forderte der Wachdienst die Redakteure auf, den Drohnenflug nicht zu starten. Vergebens, die Investigativjournalisten wollten Bilder – und holten sie sich.

Bild.de zitiert den Geschäftsführer des Heims: „Um Videobilder aus dem Privatleben von durch Krieg und Flucht traumatisierten Menschen zu bekommen, scheint das ZDF alle moralischen Grenzen vergessen zu haben. Dass ein öffentlich-rechtlicher Sender derart leichtfertig mit dem Schicksal von Menschen umgeht, macht uns fassungslos. In Abstimmung mit den betroffenen Flüchtlingen und dem Bezirk werden wir nun prüfen, wie wir gegen die verantwortlichen ZDF-Mitarbeiter vorgehen.“

Drohnen verschärfen Szenarien in der Krisen-PR

Fernseh-Investigativformate wie Frontal21 brauchen nicht nur eine Geschichte, sondern auch Bilder dazu. Gerne mit dem Charakter der enthüllenden Recherche. Offensichtlich ist der Einsatz von Kameradrohnen mittlerweile bei öffentlich-rechtlichen Sendern geübte Praxis. Kommunikationsprofis müssen sich darauf einrichten und vordenken, welche Luftaufnahmen die Investigativgeschichte untermauern würden. Tatsächlich werden die Luftaufnahmen allerdings zumeist als Bilderteppich eingesetzt, um zu untermalen, dass sich die Redaktion ganz nah an das Unternehmen herangepirscht hat: “Sieh’ her, lieber Zuschauer, wir sind so nah dran gewesen. Unser Bericht ist wahr!” In diesem Fall hat die Pressestelle wenig Handhabe, so lange sich die Drohne nicht über dem Betriebsgelände befindet. Muss sie aber auch gar nicht. Reizvoll können – zum Beispiel – Luftaufnahmen vom Anwesen des Vorstandsvorsitzenden sein als Gegenpol zur schrecklichen Lebenssituation der vermeintlichen Opfer. Drohnen geben den Investigativreportern völlig neue Möglichkeiten an die Hand, ihre Skandalgeschichten auszugestalten.

Jörg Forthmann

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