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Krisen-PR: Kommen jetzt die Dieselgate-Denunzianten?
  • Jörg Forthmann
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  • Dieselgate . VW . Whistleblower .

Staatsanwälte bohren die Krise gefährlich auf

Krisen-PR VW StaatsanwaltDie brisanteste Geschichte zu Dieselgate ist noch nicht erzählt: Wussten die Topmanager an der Konzernspitze bei VW, Audi & Co. von den Abgasmanipulationen? Müsste bei Volkswagen die Vorstandsetage einmal ausgetauscht werden inklusive der Altvorderen wie Ferdinand Piëch? Warum Volkswagen-Mitarbeiter jetzt verlockt sein könnten, die ganze Wahrheit zu erzählen, lesen Sie hier.

Bislang war es im VW-Konzern noch verhältnismäßig einfach, allzu investigative Nachforschungen nach dem tatsächlichen Kreis der Dieselgate-Mitwisser auszubremsen. Es gab zwar ein Amnestie-Versprechen des Unternehmens an Whistleblower, bei kompromittierenden Aussagen keine negativen Folgen befürchten zu müssen. Doch daran hat offensichtlich niemand recht geglaubt; soweit zu lesen ist, hatte der Whistleblowing-Freibrief so gut wie kein Echo. Zu groß war wohl die Furcht, doch noch zur Rechenschaft gezogen zu werden. Verräter mag man nicht, auch wenn sie aus noch so edlen Motiven handeln.

Das könnte jetzt anders werden – und der Kommunikationskrise einen weiteren Schub verleihen. Das Handelsblatt berichtet:

Staatsanwälte weiten Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat die strafrechtliche Aufarbeitung der Dieselgate-Affäre bei VW ausgeweitet. Nach Informationen des Handelsblatt gab es neue Razzien im Umfeld verdächtiger Ingenieure und Manager. Auch die Zahl der Beschuldigten stieg weiter an: Bisher waren 17 Personen im Visier der Ermittler, jetzt stehen 21 Personen unter Verdacht.

In den Befragungen der Staatsanwaltschaft könnte das Kartell des Schweigens gebrochen werden, denn das Angebot – erzähle alles und es wirkt sich strafmildernd für dich aus – wird spätestens dann verlockend, wenn die Angst vor einer Verurteilung größer ist als die Angst vor dem Karriereknick.

Dann erlebt VW ein desaströses Domino-Spiel: Eine Führungskraft nach der anderen fällt um. In der Not rettet jeder seine eigene Haut.

Für die Krisen-PR der Wolfsburger wäre das die letzte Eskalation im Dieselgate-Skandal. Heute ahnt jeder, dass das Topmanagement sehr wohl von der systematischen Abgasmanipulationen wusste. Doch das sind bislang nur Mutmaßungen. Wenn das große Quatschen beim Staatsanwalt einsetzt, gibt es die passenden Kronzeugen. Und dann liegt möglicherweise eine Wahrheit auf den Tisch, die heißt: Millionen von Autokäufern wurden auf Geheiß und mit Wissen von Vorständen und Aufsichtsräten absichtlich betrogen, und weite Teile der Führungskräfte wussten davon.

Das wäre der GAU, und es gäbe für Kunden des VW-Konzerns gar keinen Grund mehr, irgendwelchen Beteuerungen des Unternehmens und seiner Repräsentanten zu glauben. Personelle Konsequenzen ließen sich kaum vermeiden. Die Argumentation

“Auch für unsere Vorstände und Aufsichtsräte gilt die Unschuldsvermutung. Deshalb gibt es jetzt überhaupt keinen Anlass für personelle Konsequenzen.”

würde das Problem nicht lösen, die Krise am Schwelen halten und am Ende zu besonders unangenehmen Abgängen führen.

Was kann die Krisen-PR in dieser Lage tun? Jetzt helfen nur noch die Anwälte. Dem Vernehmen nach wird der Konzern faktisch von Juristen geführt, um irgendwie aus dem rechtlichen Schlamassel heraus zu kommen. Darunter hat die Kommunikation der Wolfsburger in der Vergangenheit sehr gelitten. Jetzt sollte VW seine Führungskräfte mit massiver anwaltlicher Begleitung so sehr stützen, dass sie nicht die Flucht im Ablasshandel mit der Staatsanwaltschaft suchen. Keine Befragung und keine Auskünfte ohne Anwalt, koste es, was es wolle. Nur wenn das Kartell des Schweigens hält, bleibt die nächste Eskalation in der Krisen-PR aus.

Unangenehme Entscheidung in der Krisen-PR nötig

Das ist ein heikler Rat, denn letztlich heißt diese Empfehlung: behindert die Strafverfolgung. Für gute Staatsbürger ist das schwer verdaulich, und für gut geführte Unternehmen ebenso. Andererseits obliegt es der Strafverfolgung, Straftaten nachzuweisen. Kein Betroffener ist verpflichtet, sich selbst zu belasten.

So bleibt es bei einer heiklen Entscheidung: beinhart durchfegen oder wachsweich durchwursteln. Da das Topmanagement sich wahrscheinlich selbst aus der Vorstandsetage auskehren müßte, liegt die Antwort auf der Hand. Diese Entscheidung müssen die Krisenkommunikatoren spätestens jetzt einfordern, damit juristische Spundwände um gefährdete Mitarbeiter und Führungskräfte eingezogen werden. Krisenkommunikation hat hier wenig mit Kommunikation zu tun, sondern viel mit vorausschauendem Risikomanagement.

Jörg Forthmann

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