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Lehrstück in der Krisen-PR: Wie BMW einen Angreifer angreift
  • Jörg Forthmann
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  • Befreiungsschlag . Deutsche Umwelthilfe . Dieselgate . Dieselskandal .

Goliath BMW bläst zur Attacke auf den David Deutsche Umwelthilfe

Lehrstück in der Krisen-PR: Wie BMW einen Angreifer angreift

Eigentlich kann das nicht gut gehen: Ein Autokonzern greift die Deutsche Umwelthilfe an. BMW wagt es trotzdem – und hat gute Aussichten auf Erfolg. Lesen Sie hier, was die Münchener richtig machen.

Wenn der mutige David den großen Goliath angreift, ist das für Krisenkommunikatoren undankbar. Denn die Sympathie des Publikums ist eindeutig beim kleinen, schwachen Angreifer, der obendrein für das Gute kämpft. BMW ist von einem vermeintlichen David angegriffen worden, der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Tatsächlich ist die Umwelthilfe gar nicht so klein und schwach, wie man meinen mag. Sie finanziert sich prächtig als Abmahnverein und müsste damit eigentlich als Abzocker gebrandmarkt sein. Doch der Geldquell der Umweltretter ist nicht allzu bekannt. Auch nicht die seit Jahren kursierenden Vorwürfe, dass sich einzelne Firmen über üppige Zuwendungen an die Umwelthilfe von allzu kritischer Betrachtung freigekauft haben sollen – sozusagen der Ablasshandel in Regenbogenmanier.

Die Umwelthilfe profiliert sich gerade mit ihrem Feldzug gegen Autohersteller im Dieselskandal und gegen Städte, die nicht genug für die Luftreinhaltung getan haben – und demnächst möglicherweise von höchsten Richtern zu Fahrverboten gezwungen werden. Dieser Erfolg beflügelt offensichtlich die Umwelthilfe-Manager, so dass sie sich ein neues Opfer gesucht haben: BMW. Der Automobilkonzern ist ideal als Opfer. Er gibt sich unschuldig im Dieselskandal, gehört zu den eMobil-Pionieren in Deutschland und war bislang bei Abschaltvorrichtungen ohne Tadel. Bislang.

Nun hat die Deutsche Umwelthilfe bekannt gegeben, dass die Bayern sehr wohl eine Abschaltvorrichtuing haben. Die Nachricht ging sogleich durch alle Medien. Kritischer Journalismus war hier selten, denn der Vorwurf der Umwelthilfe passte so schön. Wo ein Autohersteller rumsudelt, werden es andere wohl auch tun.

Nun verkündete BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich:

“Wir konnten das von der DUH getestete Fahrzeug ausfindig machen und werden dieses auf dem Rollenprüfstand sowie auf der Straße ausgiebig und professionell gemeinsam mit einer neutralen Institution vermessen, um die Unterstellungen der DUH zu überprüfen.”

Was für ein Coup! BMW hat das Fahrzeug aufgetan, das die DUH getestet hat. Sollte die erneute Messung beweisen, dass die DUH gelogen hat, haben die selbst ernannten Umweltschützer keine Ausrede mehr. Dass das so sein kann, erklärt Fröhlich gleich mit:

“Für uns sieht es so aus, als ob die DUH in Bereichen mit hohen Drehzahlen, aber bei niedrigen Lasten gefahren ist. Sie müssen sich das so vorstellen, dass der Motor so laut aufheult, dass man eigentlich intuitiv schon lange höher geschaltet hätte. Durch solche erzwungenen und untypischen Fahrweisen im Randbereich kann man plakative Emissionswerte konstruieren, die keine wirkliche Aussagekraft besitzen. Übrigens weist das Auto in solchen Fällen im Display auch darauf hin: ‘Bitte hochschalten’.”

Das ist mal ein brauchbarer Entwicklungsvorstand! So versteht jeder: Da hat die Umwelthilfe möglicherweise böse betuppt.

Die Vorwürfe haben eine durchaus sehr ernste Dimension: Die Münchener Staatsanwaltschaft hat eine Voruntersuchung eingeleitet, ob die Abgasrückführung in BMWs den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Vor der Staatsanwaltschaft hatte auch das Bundesverkehrsministerium eine Überprüfung der Vorwürfe gegen BMW durch das Kraftfahrt-Bundesamt angekündigt.

Diese ersten Erfolge der DUH könnten nun zum Bumerang werden. Nämlich dann, wenn Justiz und Ministerium BMW bestätigen, dass nichts an den Vorwürfen dran ist. Dann wird es eng für die Umweltretter. Fröhlich scheint zumindest auf Kriegsfuß zu sein:

“Diese ganzen Unterstellungen sind unseriös und an den Haaren herbeigezogen, und wer so etwas willentlich macht, dem könnte man auch Absicht vorwerfen.”

Bei diesen Worten könnte es dem Umwelthilfe-Chef in den Ohren klingeln. Die DUH ist zwar dank Abmahnmaschinerie gut durchfinanziert, doch allzu teure Straf- oder Schadenersatzzahlungen kann sich der Verein nicht leisten. Größer ist jedoch das Risiko, dass BMW das Deckmäntelchen des Umweltschutzes lüftet und die Umwelthilfe enttarnt. Dann ist das gesamte Geschäftsmodell dahin. Wenn es noch eine freie Zeile auf dem Wunschzettel an den Weihnachtsmann gibt: Bitte, bitte, lass’ BMW diese Geschichte bis zum Ende durchziehen.

Möglicherweise gibt es ja auch Schützenhilfe von anderen Autoherstellern. Die gleiche Masche wie bei BMW fuhr die Deutsche Umwelthilfe bereits bei Opel. Auch dort wurden die Messergebnisse bestritten. Doch es fehlte an der Konsequenz, sich ernsthaft zu wehren.

Jörg Forthmann

 

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