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Neidjournalismus gegen Commerzbank-Chef Blessing
  • Jörg Forthmann
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Neidjournalismus gegen Commerzbank-Chef BlessingMartin Blessing führt als Vorstandsvorsitzender die von Vater Staat mit Milliarden gestützte Commerzbank – und muss sich deshalb viele Vorwürfe gefallen lassen. Gestern trumpfte Spiegel.de auf und berichtete von einem Erste-Klasse-Flug Blessings von Washington nach Frankfurt. Für die Spiegel-Redaktion ist der Beitrag ungewohnt unbeholfen. Da werden Passagiere bemüht, die “ziemlich baff” gewesen seien, Blessing in der Ersten Klasse zu sehen. Das Treffen nach dem Flug mit dem Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller ist aufgrund des Fluges “pikant” – warum auch immer. Und die angestrebte Verkleinerung des Commerzbank-Vorstands wird süffisant mit den maximal acht Plätzen in der Ersten Klasse in Verbindung gebracht: Dann würde demnächst ja der gesamte Bankvorstand in einer Ersten Klasse fliegen können. Doch was macht man jetzt mit so einer Schmähberichterstattung?

Offensichtlich hat der Spiegel vorab die Pressestelle angefragt, und die hat darauf verwiesen, dass das Erste-Klasse-Ticket nur dann gebucht werde, wenn der Vorstandsvorsitzende nach Intercontinentalflügen sofort in einen wichtigen Termin muss. Doch das hat nicht gereicht, um den Bericht abzubiegen. Der Spiegel reitet unbotmäßig auf der Neid-Welle und lässt sich seine exklusive Nachricht – Blessing in der Ersten Klasse gesehen – nicht kaputt machen. Wahrscheinlich hat er sogar einen großen Dienstwagen, zumindest gelegentlich einen Fahrer, sein Büro ist viel größer als das eines Sachbearbeiters und die Zahl der Sekretärinnen und Assistenten ist auch neidverdächtig… Leider lohnt hier nicht die objektive Diskussion, was für einen Topmanager an der Spitze der Commerzbank angemessen ist. Neid ist offensichtlich gut für die Klickrate im Web. Selbst wenn es offensichtlich schwer fällt, neben diesem Fakt den Beitrag irgendwie zu füllen.

Für Kommunikatoren bieten sich drei Strategien als Reaktionen auf den Spiegel.de-Beitrag an:

1. Ignorieren. Auch wenn es das Online-Leitmedium ist, lohnt eine Reaktion darauf oder versendet sich der Beitrag? Ignorieren bietet sich an, wenn sich der Spiegel nicht auf Blessing und die Commerzbank einschießt und wenn die Nachrichtenlage nicht auf das Megathema “Prasserei in der Commerznank-Chefetage” hindeutet.

2. Häuserkampf. Redakteur ansprechen und inkrementell auseinandernehmen, wie unangemessen der Vorwurf und wie konstruiert der Artikel ist. Mittelfristig muss klar sein, dass eine derartige Berichterstattung immer wieder dazu führt, dass die Commerzbank-Pressestelle rumnervt – und dabei sogar noch Recht hat.

3. Aggressiv parieren. Ja, Blessing ist teuer geflogen. Aber ist der Spiegel in der Situation, das bemängeln zu können? Wie groß ist der Luxus beim Mittelständler Spiegel-Verlag? Wo verletzt der Spiegel seine selbst gesetzten Maßstäbe? Dieser Kurs ist nicht ohne Risiko und sollte nur erwogen werden, wenn das Verhältnis zum Spiegel zerrüttet ist und es darum geht, eine fortwährende Negativ-Berichterstattung zu kontern.

Eigentlich gibt es noch eine vierte Option: Das juristische Schwert. Doch der Beitrag ist so inhaltsschwach, dass das Medienrecht wahrscheinlich ins Leere stößt.

Zum Artikel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/commerzbank-chef-blessing-fliegt-first-class-a-928882.html

Jörg Forthmann

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