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Tote durch Legionellen bei Warsteiner: Was gegen eine Entschuldigung sprichtWarsteiner ist in Sachen Krisenkommunikation eine geplagte Brauerei. Erst kursierte das Gerücht, Warsteiner unterstütze Scientology. Jetzt geht es möglicherweise sogar um Tote. Ein Vorklärbecken für Abwässer auf dem Gelände von Warstein soll hochgradig mit Legionellen belastet sein. Über eine direkte Leitung fließt dieses Abwasser in eine Kläranlage und von dort in das Flüßchen Wäster. Ein Stück flußabwärts nutzt der Rohrhersteller Esser das Wäster-Wasser zum Kühlen, wobei Sprühnebel entstehen. Die damit verbreiteten Legionellen werden eingeatmet und führen zu Beschwerden, die an eine Lungenentzündung erinnern. 165 Menschen sind in den vergangenen Wochen erkrankt, drei Todesfälle werden mit den Legionellen in Verbindung gebracht. Die Kreisverwaltung warnt vor unnötigen Reisen nach Warstein.

Warsteiner befindet sich nun in einer schwierigen Situation. Die aktuellen Untersuchungen deuten darauf hin, dass der schwere Legionellenbefall auf dem Brauerei-Gelände zu massenhafter Erkrankung und Tod geführt hat. Krisen entstehen durch enttäuschte Erwartungen der Menschen; sie erwarten jetzt, dass sich die Brauerei kümmert, nach Kräften aufklärt und sich für das verursachte Leid entschuldigt. Doch das ist schwer, denn juristisch sind die Warstein-Manager in einer Sackgasse: Sie sollten ihre Fürsorge um die Kranken und Angehörigen unbedingt zeigen, um die Krise zu bändigen. Gleichzeitig dürfen ihre Äußerungen vor Gericht nicht so ausgelegt werden können, dass es sich um ein Schuldeingeständnis handelt. Dann kämen die Schuldfrage und Schadenersatzforderungen auf die Brauerei zu. Diesen Aspekt dürfen Krisenkommunikatoren nicht vergessen. Es gilt, klug zu kommunizieren. Anteilnahme zeigen, aber keine Schuld eingestehen – eine Gratwanderung, die nicht gerade hilft, die Krise effektiv zu bekämpfen. Oft genug spüren dann die Menschen, dass das Unternehmen nicht ehrlich mit ihnen spricht.

Juristen sind in diesen Fällen klar sortiert. Sie sagen: Strafrecht geht vor. Selbst wenn das einen spürbaren Reputationsschaden zur Folge hat. So hat sich die Deutsche Bahn erst nach mehr als zehn Jahren nach dem Eschede-Unglück bei den Hinterbliebenen entschuldigt.

Jörg Forthmann

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