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Warum Heinz Ketchup auf eine Porno-Seite verlinkt
  • Jörg Forthmann
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  • Shitstorm .

Heinz Ketchup IIaEigentlich wollte Daniel Korell sein eigenes Werbeetikett gestalten als er den QR-Code von der Ketchup-Flasche mit seinem Smartphone scannte. Doch statt bei Heinz Ketchup landete er auf einer Porno-Seite. Dank eines Facebook-Posts von Korell geht der Fauxpas jetzt um die Welt. Wie es zu der Panne kam und wie der Ketchuphersteller reagierte, lesen Sie hier.

Heinz Ketchup IDie Aktion “Sag’s mit Heinz” war eigentlich nett gemeint: Die Kunden konnten sich ein eigenes Flaschenetikett für ihre Ketchup-Flasche kreieren. Mittlerweile ist die Aktion längst vorbei und das Mindesthaltbarkeitsdatum der Flaschen, auf denen die Mitmachkampagne beworben wurde, ist längst abgelaufen. Doch Daniel Korell nutzte erst jetzt den QR-Code und landete auf der Porno-Webseite von Fundorado. Auch wenn er die Internetadresse sagsmitheinz.de händisch eintippe, lächelten ihm nackte Frauen entgegen. Flugs postete Korell seine Entdeckung auf Facebook, wo der Post erst einmal weitgehend unentdeckt blieb.

Krisen-PR mit angezogener Handbremse

Erst vier Tage später hat Heinz Ketchup auf den Post reagiert, entschuldigte sich und beteuerte, künftig besser aufzupassen. Fehler Nummer 1: Offensichtlich entdeckte das Internetmonitoring den Post erst sehr spät. Dieser Fehler ist in diesem Fall nicht besonders schlimm gewesen, denn die Porno-Affäre von Heinz ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass Shitstorms sehr oft schon frühzeitig von Unternehmen erkannt und beseitigt werden können. Denn erst nahezu einen Monat nach Korells Facebook-Post geht der Bericht über den verunglückten QR-Code bundesweit und international durch die Presse.

Fehler Nummer 2: Heinz Ketchup hat diese Zeit nicht genutzt. Korell bekam das tröstende Angebot, nachträglich ein Etikett selbst gestalten zu können. Dass der findige Ketchup-Kunde jedoch seinen Post löscht und damit diese Peinlichkeit aus der Welt schafft, das hat der Ketchuphersteller nicht geschafft. Der Dialog zwischen Heinz und Korell lässt darauf schließen, dass das Unternehmen diesen Versuch auch nicht ernsthaft unternahm. Hat Heinz den Vorfall unterschätzt? Wie auch immer, das Löschen dieses peinlichen Facebook-Posts hätte Heinz kistenweise Ketchup wert sein sollen – und jede einzelne mit individuellem Etikett.

Heinz Ketchup IIIErst hat man Pech, dann kommt Unglück hinzu: Nachdem der peinliche Porno-Link durch das Internet kursierte, meldete sich Fundorado: “Vielen Dank für die gelungene Promo, Heinz Ketchup! Für weitere Vertriebs-Kooperationen stehen wir euch gerne zur Verfügung.” Obendrein lobt Fundorado eine kostenlose Jahresmitgliedschaft für Korell aus. An der Spendierhose der Erotik-Firma hätte sich Heinz ein Vorbild nehmen können – als es noch möglich gewesen wäre, durch das Löschen des Posts die potenzielle PR-Krise zu beerdigen…

Und wie hat das alles passieren können? Heinz Ketchup hatte die Domain www.sagsmitheinz.de nicht lange genug gesichert, so dass sich ein Vertriebspartner von Fundorado die Adresse sichern und auf die Erotikseite umleiten konnte. Ärgerlich!

Call to action MediengauAuch heute noch: Krisenkommunikation versagt

Zumindest dieser Fehler ist inzwischen behoben. Wer die Webseite heute besuchen will, landet auf einer Statistikseite, die detailliert ausweist, dass diese tote Seite immerhin noch knapp 1.800 User pro Monat besuchen. Fehler Nummer 3: Wer heute auf diese Seite geht, will nachsehen, ob es immer noch die peinliche Verlinkung zur Porno-Seite gibt. Da hätte Heinz unbedingt eine Landingpage einrichten sollen: “Unsere Aktion ‘Sag’s mit Heinz’ ist schon längst vorbei. Hier geht es zur Heinz-Homepage.” Man hat den Eindruck, bei Heinz nimmt bis heute niemand die Porno-Panne ernst.

Jörg Forthmann

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