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Brandheiße Personalie: VW trennt sich von Compliance-Vorstand
  • Jörg Forthmann
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Krisen-PR im Dieselgate-Skandal: Hüterin für Recht und Ordnung wird geschasst

Brandheiße Personalie: VW trennt sich von Compliance-Vorstand

Was für ein Paukenschlag: Vor einem Jahr holte VW die ehemalige Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt von Daimler, damit sie in Wolfsburg für eine vorbildliche Compliance sorgt. Heute, nur ein Jahr später, trennt sich der Konzern und müht sich in der Krisen-PR, dass nicht der Eindruck entsteht: Die Hüterin für Recht und Ordnung hat aus Frust die Brocken hingeworfen.

Vor einem Jahr holte VW Hohmann-Dennhardt nach Wolfsburg. Konzernchef Matthias Müller hatte gerade seine Führungskräfte auf Transparenz eingeschworen. Da passte es gut, gleich ein neues Vorstandsressort für Recht und Integrität zu schaffen. Ob diese Entscheidung so freiwillig fiel, wie sie erscheinen sollte, ist fraglich. Die Behörden in den USA mussten besänftigt werden, und die neue Frau im Vorstand sollte ein starkes Signal nach Amerika sein, dass sich Volkswagen wirklich bessern will.

Schließlich hatte Hohmann-Dennhardt als oberste Compliance-Managerin den gleichen Job schon bei Daimler mit Bravour gelöst, nachdem der Autokonzern 2010 eine millionenschwere Strafe wegen Schmiergeldzahlungen in den USA leisten musste.

Krisen-PR: Personalie lässt Raum für unangenehme Interpretationen

Umso unangenehmer ist es, dass der Konzern sich jetzt von der Ex-Verfassungsrichterin und Ex-Justizministerin trennt. Das erweckt den sehr ungünstigen Eindruck, dass Hohmann-Dennhardt frustriert aufgibt, weil sie Compliance nicht im Konzern durchsetzen kann. Weil VW sich in Wahrheit gar nicht ändern will.

Es mag Zufall sein oder nicht: Das Handelsblatt meldete heute als erstes die Personalie. Verbunden mit einer inoffiziellen Erläuterung, dass die Frau im Vorstand nicht das geliefert hat, was man sich von ihr versprochen hat. So seien wichtige Verhandlungen in den USA nicht von ihr, sondern vom Leiter der Rechtsabteilung und einem Vorstandskollegen geführt worden.

Wurde die Geschichte gezielt durchgestochen?

Dieses Vorgehen ist sehr klug: VW lässt die Geschichte gezielt in einem Medium fallen, das die Personalie exklusiv bekommt. Dafür wird die interne Interpretation der Ereignisse gleich mit transportiert. Der Mainstream der Berichterstattung ist also gesetzt, und mit etwas Glück für die Wolfsburger schreiben die anderen Redaktionen fleißig vom Handelsblatt ab.

Es bleibt nur noch eine Frage offen: Wird die selbstbewusste Christine Hohmann-Dennhardt diesen unrühmlichen Abgang auf sich sitzen lassen und Loyalität mit dem Konzern bis zum letzten Tag beweisen? Oder wird sie sich wehren und ihre Sicht öffentlich machen? Das wäre dann allerdings sehr unglücklich für VW.

Jörg Forthmann

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