Ex-ADAC-Pressechef stürzt ADAC in den Krisen-Gau

Ex-ADAC-Pressechef stürzt ADAC in den Krisen-GauMichael Ramstetter ist zurück. Der Ex-ADAC-Chef klagt vor dem Arbeitsgericht gegen seine Kündigung. Bislang sorgt lediglich das unverschämte Verhalten Ramstetters für Empörung, zum Beispiel auf n-tv oder auf Bild.de. Das geht am ADAC vorbei. Doch die Situation ist brandgefährlich für den Automobilclub. Mit Pech tritt Ramstetter vor Gericht den Krisen-GAU los.

Die Aussichten am Arbeitsmarkt sind für Ramstetter wahrlich nicht rosig. Da ist es verständlich, dass er sich nach langjähriger Arbeit für den ADAC seine Kündigung vergolden lassen will. Dass Ramstetter jetzt vor das Arbeitsgericht ziehen kann, zeigt, wie dilettantisch der ADAC die Trennung von seinem Pressechef vorgenommen hat. Jetzt fehlt eine Trennungsvereinbarung, die arbeitsrechtliche Schritte verhindert. Das hätte dem ADAC bei der Kündigung sicherlich Geld gekostet, aber dieser unangenehme Umstand wäre wahrscheinlich im Halali der Krisenberichterstattung glatt untergegangen. Jetzt stehen beide Parteien vor Gericht und Ramstetter wird sich große Mühe geben, den Kündigungsgrund zu relativieren. Was wird er wohl sagen? Dass er mit Rückendeckung der Chefetage gehandelt hat. Dass wichtige (heute noch aktive) Führungskräfte eingebunden waren. Möglicherweise wird er sogar vortragen, dass er auf Anweisung gehandelt hat. Vor zahlreichen Medienvertretern im Gerichtssaal wird die Geschichte vom Einzeltäter Ramstetter wie eine Seifenblase platzen. Und der ADAC wird mit neuen, schweren Vorwürfen konfrontiert. Ramstetter ist PR-Profi und wird als „Kronzeuge aus den innersten Reihen des ADAC“ gezielt die Medien informieren und den Druck auf seinen Ex-Arbeitgeber unsäglich erhöhen.

Das ist nur ein Szenario. Leider ist es sehr wahrscheinlich, denn Ramstetter hat nichts zu verlieren. Der ADAC hat sich hingegen durch die fehlende Trennungsregelung bei der Kündigung nun in eine Sackgasse manövriert: Bleibt der Automobilclub hart, zieht Ramstetter die Daumenschrauben immer weiter an. Kompromittierendes Material wird er zur Genüge haben. Erkauft sich der ADAV hingegen das Schweigen Ramstetters durch eine hohe Abfindung, wird das als „große Schweinerei“ von den Medien gewertet – schließlich ist der Ex-Pressechef laut ADAC der einzige und ganz schlimme Bösewicht.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig vorausschauendes Krisenmanagement ist. Schon bei der Kündigung Ramstetters war klar, dass er noch zum Problem für den ADAC wird. Je nachdem, welche Vorwürfe vor Gericht öffentlich gemacht werden, dürfte sich auch die Staatsanwaltschaft erneut für den Fall interessieren. Deshalb wäre es klug gewesen, frühzeitig ein „Abklingbecken für das Restrisiko Ramstetter“ einzurichten. Gekapselt, kontrolliert, bezahlt. Diese Chance ist vorbei.

Nun bleibt dem ADAC nur noch der Ausweg, hinter den Kulissen eine Trennungsregelung zu vereinbaren, bei der der Club das Gesicht wahren kann. Damit es gar nicht erst zum Arbeitsgerichtsprozess kommt.

Jörg Forthmann

 

Jörg Forthmann
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