Falls Ihr Chef mosert: So wertvoll sind gute Krisenkommunikatoren

44 Millionen Euro Gewinneinbruch bei Merlin Entertainments durch Krise

Krisen MerlinWenn Ihr Chef das nächste Mal knurrend anmerkt, dass Sie sich mit der Krisenkommunikation nur unnötig wichtig machen, fragen Sie ihn, ob er gerne in Freizeitparks geht. Dort kann man lernen, wie teuer Krisen werden können – und dass sich professionelle Krisen-PR lohnt. Lesen Sie hier die enormen Folgen eines Unfalls in der schnellsten Achterbahn der Welt.

Der 2. Juni 2015 ist ein schwarzer Tag für Merlin Entertainments gewesen. In einem der vielen Freizeitparks der Gesellschaft – im britischen Alton Towers Resort – gab es einen Unfall in der Achterbahn mit vier Schwerverletzten. Zwölf weitere Menschen mussten aus den verkeilten Wagen befreit werden, kamen aber mit dem Schrecken davon. Alton Towers ist einer der bekanntesten und meistbesuchten Freizeitparks Großbritanniens. Dementsprechend gingen die Bilder des Unfalls sofort durch die Medien, und die Berichterstattung hielt tagelang an. Die Krisenkommunikatoren von Merlin reagierten vorbildlich: Die Medien erhielten unmittelbar Informationen, der CEO stand für Interviews zur Verfügung, vergleichbare Achterbahnen in anderen Merlin-Parks wurden vorsorglich geschlossen. Shitstorms im Internet begegnete Merlin hoch professionell.

Und trotzdem: Diese Woche hat Merlin Entertainments eine Gewinnwarnung herausgegeben: 9 Prozent Minus in diesem Jahr. Das sind rund 44 Millionen Euro. Der Börsenkurs sackte um dramatische 8,9 Prozent weg. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie der Verlust bei schlechter Krisenkommunikation ausgesehen hätte…

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Gute Krisenkommunikatoren halten ihre Vorgarten nach Kräften sauber und entschärfen so prophylaktisch künftige, schwere Krisen.

Jörg Forthmann

P.S.: Lesen Sie diese Woche auch: Wie der SWR Daimler in Not bringt

Jörg Forthmann
Posted inKrisen-PR Blog: Mediengau

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