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Krisen-PR: Der Spion, der doch nicht aus dem Fernseher kam
  • Jörg Forthmann
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  • Befreiungsschlag . CIA . Samsung . Smart-TV . Spionage .

CIA soll über Samsung-Fernseher Bürger ausspionieren

CIA-Agenten können über Smart-TV-Geräte von Samsung Menschen im heimischen Wohnzimmer ausspähen. Diese Schreckensbotschaft ging durch die Medien. Dumm nur: Sie ist so nicht ganz richtig. Wie Samsung reagiert hat, lesen Sie hier.

Fernseher mit Internetanschluss sind prima. Filme und Serien aus dem Web kommen unkompliziert auf den heimischen Bildschirm. Doch nun drohe Gefahr, berichtete Wikileaks aus geheimen CIA-Dokumenten. Amerikanische Spione könnten via Mikrofon und Kamera die Menschen heimlich zu Hause ausspähen – wenn es denn Samsung-TVs sind.

Die Koreaner reagierten auf diese Berichte verhalten: Am Tag der Veröffentlichung ließ sich das Unternehmen damit zitieren, dass man die Angelegenheit mit höchster Dringlichkeit prüfe. Da das kein echtes Dementi war, ging die Wikileaks-Enthüllung weltweit durch die Medien.

Krisen-PR: Erst nach einem Tag ist Samsung sprachfähig

Einen Tag später ist Samsung sprachfähig: Damit die CIA die Fernseher zum Spionieren missbrauchen können, müssen sie eine Spionagesoftware mit einem USB-Stick auf dem Fernseher installieren. Dafür müssten die Schlapphüte in die Wohnung ihrer Opfer kommen. Dabei könnten sie dann aber auch jedwede andere Spionagetechnik installieren, so dass es in Wirklichkeit keine neue Gefahr gibt. Ohnehin – so mutmaßen Experten – ist das Belauschen via Smart-TV nicht wirklich praktikabel, denn die Daten würden gar nicht über den Internetanschluss übertragen werden. Vielmehr würden sie auf im Fernseher gespeichert und müssten irgendwann abgeholt werden. Da ist jede banale Abhörwanze praktikabler.

Spätestens mit einem Software-Update sind alle Spionagemöglichkeiten bei Samsung getilgt. Das steht sogar in den Geheimdokumenten:

„Das Firmen-Update 1118+ eliminiert die derzeitige Installationsmethode über USB.“

Mustergültig die Krise zerlegt und entschärft

Samsung hat durch diese Fakten die Spionage-Blase platzen lassen. Damit liefern die Koreaner ein Musterbeispiel, wie Unternehmen durch sorgfältige Recherche eine Krise entschärfen können. Im Krisenfall ist allerdings der Zeitdruck ein großes Problem. So auch bei Samsung: Da der Fernsehhersteller so spät reagiert hat, konnte die Berichtswelle nicht aufgehalten werden. Einen Tag später veröffentlichen die Medien nur in Ausnahmefällen die Entwarnung. So hat das Unternehmen einen Imageschaden – obwohl es sich in Wahrheit nichts vorzuwerfen hat.

Für Kommunikatoren zeigt das Beispiel, dass eine exzellente Krisenreaktion binnen kürzester Zeit erfolgen muss. Journalisten warten nicht.

Jörg Forthmann

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