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Wetten, Sie haben keine Idee, wie Nonnen zum Geschäftsrisiko werden
  • Jörg Forthmann
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  • Ethik . Reputation .

Dabei könnte Ihre Firma auch betroffen sein

Nonnen haben der US-Bank Wells Fargo ins Gewissen geredet. Und tatsächlich, die Bankmanager beichteten öffentlich, welcher Verfehlungen sich die Bank schuldig gemacht hat. Mit religiösem Eifer hat das allerdings wenig zu tun. Lesen Sie hier, wie die Nonnen die Banker in die Knie gezwungen haben.

Wells Fargo hat mit einer Reihe von Skandalen von sich reden gemacht. So haben Mitarbeiter Millionen von Konten im Namen von Menschen eröffnet, die davon gar nichts wußten. Ziel war es, finanzielle Anreize zu erhalten. “Offensichtlich gab es riesige Risiken in ihrer Kultur und wir müssen uns den Ethik-Kodex und die Verantwortlichkeiten genau anschauen”, sagt Schwester Nora Nash. Gemeinsam mit 20 anderen religiösen und staatlichen Investoren forderte der Pensionsfonds der Franziskaner-Schwestern, dass die Bank das Bonusprogramm an den Kundeninteresse ausrichtet. Außerdem sollte die Bank ihr Risikomanagement verändern, damit sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Der Druck auf Wells Fargo war so groß, dass die Bank obendrein einen Bericht über ihre Geschäftsstandards im Internet veröffentlichte.

Nicht nur Nonnen machen Druck auf Unternehmen

Dieser öffentlichkeitswirksame Druck von institutionellen Anlegern nimmt zu: Der weltgrößte Vermögesverwalter Blackrock zieht jetzt die Konsequenzen aus dem Amoklauf an einer US-amerikanischen Schule und legt mehrere Fonds auf, die bewusst auf Waffenhersteller und Einzelhändler verzichten, die Waffen verkaufen.

Wer sich nun allerdings als Kommunikator zurücklegt, weil sein Unternehmen nicht zur bösen Seite der Wirtschaft gehört, macht möglicherweise einen Fehler. Der Trend geht klar dahin, dass Finanzinvestoren immer strengere ethische Maßstäbe an die Unternehmen legen – und das öffentlich zelebrieren.

Der norwegische Pensionsfonds, einer der größten Staatsfonds der Welt, zieht sich wegen ethischer Bedenken aus mehreren Firmen zurück. Die Beteiligungen an neun Unternehmen werden aufgegeben, ein weiteres kritisch beobachtet, teilte die norwegische Zentralbank Anfang 2018 mit. Den großteils asiatischen Firmen wird vorgeworfen, die Umwelt zu gefährden und Menschenrechte systematisch zu verletzen. Vier Unternehmen kamen auf die rote Liste, weil sie laut Zentralbank an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind.

Anforderungen an ethische Standards steigen weiter

Die Palette der Sünden, die institutionelle Investoren zum Anlass nehmen, ihr Geld aus den Firmen zu ziehen, wird immer länger. Dafür gibt es zwei Gründe. Entweder die Finanzanleger lassen sich von der Idee leiten, dass nachhaltige Anlagen eine gesellschaftliche Verpflichtung sind, die sich obendein durch geringere Risiken auszeichnen. Oder es geht den Finanzjongleuren um ihr eigenes Bild in der Öffentlichkeit. Es ist leicht, andere mit ethischen Standards in die Pflicht zu nehmen – und sich auf deren Kosten zu profilieren. So lässt sich das eigene Image polieren, ohne wirklich etwas dafür tun zu müssen.

Wenn heute vor allem Waffenhersteller, Umweltsünder und Menschenquäler betroffen sind, ist das erst der Anfang. Wer trägt eigentlich dafür Verantwortung, dass Menschen immer dicker und kränker werden? Wer ist schuldig daran, dass Medikamente für die Dritte Welt zu teuer sind? Wer hat seine Zulieferkette ethisch nicht im Griff? Wer verwehrt als Arbeitgebern Frauen und Minderheiten Chancengerechtigkeit?

Kluge Pressesprecher bereiten ihr Unternehmen auf fordernde Investoren vor

Institutionelle Investoren haben die Macht, diese steigenden Erwartungen durchzusetzen. Oft genug schwören sie das Management in Hintergrundgesprächen auf die strengeren Regeln ein. Wer allerdings nicht spurt, wird über öffentlichen Druck gefügig gemacht – oder muss auf das Geld der Anleger verzichten.

Pressesprecher könnten also künftig vermehrt Rettungsrufe aus der Investor-Relations-Abteilung bekommen. Kluge Kommunikatoren lassen es so weit nicht kommen und kümmern sich frühzeitig um die Reputation ihres Unternehmens. Noch ist Zeit dafür.

Jörg Forthmann

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