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Zuckerbergs Zuckerguss
  • R Heintze
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Fake News und Filterblasen: Kann der „Gemeindebrief“ von Mark Zuckerberg Facebooks Reputation retten?

 

„Die Menschheitsgeschichte erzählt davon, wie wir gelernt haben, uns in immer größeren Gruppen zusammenzufinden. Von Stämmen über Städte hin zu Nationen. […] Jetzt haben wir die Möglichkeit, weltweit großes zu vollbringen: Wohlstand und Freiheit zu verbreiten, Frieden und gegenseitiges Verständnis zu fördern, Menschen aus den Fängen der Armut zu befreien, den wissenschaftlichen Fortschritt voranzubringen. Und auch die größten Herausforderungen unserer Zeit benötigen globale Lösungen: Den Terrorismus zu bezwingen, den Klimawandel zu bekämpfen, die weltweite Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Der Fortschritt hat uns zu einem Punkt gebracht, an dem die Menschheit nicht nur in Städten und Staaten, sondern auch in einer Welt-Gemeinschaft zusammenfinden muss.“

 

Wow. Was für eine positive, mitreißende Vision für die Welt. Das klingt wie der Bewerbungs-Rede eines aussichtsreichen, angesehenen Kandidaten für das Amt des UN-Generalsekretärs entnommen.

Ist es aber nicht. Mit diesen Worten wendet sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem, sehr, sehr langen Brief unter dem Titel „Building Global Community“ an „seine Gemeinde“ – die Facebook-Nutzer. „Zuckerbergs Manifest“, wie der mehr als 5.700 Worte (fast 35.000 Zeichen) umfassende Post schnell in den Medien genannt wurde, sehe ich in erster Linie als einen Versuch, Facebooks Reputation zu retten. Denn das Netzwerk stand in letzter Zeit vor allem als Verbreitungsweg für Fake News und Hassbotschaften sowie die systematische Schaffung und Verstärkung von Filter-Blasen in der Kritik – und für Facebooks mangelhafte Anstrengungen, diesen entgegenzuwirken.

Dieser Kritik wirft Zuckerberg nun seinen großen Gegenentwurf entgegen. Dazu führt er zunächst viele schöne Beispiele an, in denen Facebook „Gutes“ bewirkt. Beziehungsweise genauer: Wie Facebook-Nutzer das Netzwerk positiv einsetzen. Zum Beispiel, um weltweit Menschen zu verbinden, die an seltenen Krankheiten leiden. Oder um Hilfe für Flüchtlinge zu organisieren. Alleinerziehende, Angehörige von Soldaten im Auslandseinsatz, Touristen in Gefahrengebieten: Jeder findet bei Facebook unterstützende Gemeinschaften.

Und dann, nach mehr als 2.700 Worten, spricht Zuckerberg endlich konkret „Fake News“ und „Filter Bubbles“ an. Diese würden ihm „Sorgen bereiten“. Aber viel schlimmer seien ja: Sensationslüsterne Medien und die Polarisierung der Gesellschaft. Trotzdem skizziert Zuckerberg auch Lösungen. Und die gehen überwiegend in zwei Richtungen: Entweder soll es „die Community“ selbst richten – oder bessere Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Wenn sie denn in einer fernen Zukunft mal soweit ist.

Einer „großen Idee“ widmet Zuckerberg schließlich noch recht viel Platz: Was bei Facebook erlaubt ist und was nicht, soll zukünftig nicht mehr für alle, sondern für jeweils spezifische Nutzergruppen gelten. Vor allem danach, aus welchem Land sie stammen. Um ihrer „Kultur“ besser gerecht zu werden…

Ist Zuckerbergs Manifest ein großer Wurf für Facebooks Reputation?

Nein.

 

Daumen runter

 

Die Rhetorik, die Sprache, die Visionen einer zusammenwachsenden Welt – oberflächlich alles sehr schön. Doch all dies ist in meinen Augen nur Zuckerguss, der vom faden Geschmack des Kerns ablenken soll.

All seiner Verzierungen und Ablenkungen entledigt, bleibt von dem Manifest vor allem übrig:

Zuckerberg versucht, sich die „guten Taten“ ausgewählter Nutzer zu Eigen zu machen. Ihre Arbeit und ihre Erfolge zu seinen eigenen zu erklären. Gleichzeitig weist er die Verantwortung für die dunkle Seite der Facebook-Gemeinde weit von sich. Und will die Lösung der Probleme vor allem den (unbezahlten) Nutzern selbst überlassen, oder in eine ferne Zukunft verschieben (in der die KI so weit fortgeschritten ist, dass man für die damit verbundene Arbeit ebenfalls niemanden mehr bezahlen muss).

Schließlich die Idee, Facebooks Richtlinien und Filter regionalen „Kulturen“ anzupassen: Kultur klingt sehr schön. Im Lichte von Facebooks Anstrengungen, in der Volksrepublik China Fuß zu fassen, bedeutet die Anpassung an „regionale Kultur“ aber wahrscheinlich vor allem: Die Akzeptanz von staatlicher Zensur und Überwachung.

Ich meine: Zuckerberg versucht, mit leeren, aber eleganten Worten Probleme schönzureden, statt sie substanziell anzugehen. Ein Vorgehen, das Gift für eine gute Reputation ist. Und von der Presse auch schnell als solches erkannt wurde, wie die überwiegend negative Medienresonanz zeigt.

 

Roland Heintze

 

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