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Das Krypto-Kontor und sein Ruf

Handelsplattform für Cryptocurrencies geht an die Börse: Coinbase im Reputations-Check

Eine lohnende Investition mit guten langfristigen Aussichten oder ein blasenhaft überbewertetes Papier, ein „offenes Messer“, in das Anleger zu stürzen drohen? Die Meinungen zur frisch emittierten  Coinbase-Aktie variieren unter Finanzanalysten, Wirtschaftsjournalisten und Anlage-Beratern in den letzten Wochen. Nicht nur abhängig davon, wo der Marktkommentar erscheint – sondern auch, an welchem Tag.

Wenig verwunderlich: Als Handelsplattform für Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether und Dogecoin hängt die wirtschaftliche Zukunft von Coinbase direkt von der Entwicklung des Cryptocurrency-Marktes ab. Und der fährt gerade Achterbahn. Dezentral verwaltete, verschlüsselte, digitale Datensätze als Handelsgut sind ein Neuland ohne Erfahrungswerte; Prognosen: schwierig, Kursentwicklung: volatil. Da vernichtet ein Tweet von Elon Musk schon mal über Nacht 350 Milliarden Dollar Marktwert (leider alles andere als untypisch für den Tesla-Chef).

Entsprechend wechseln auch die Schlagzeilen zu Coinbase im Umfeld des Börsengangs zwischen himmelhoch jauchzend („Coinbase geht an die Börse: Krypto-Party an der Wall Street“, „Krypto-Börse Coinbase verzwanzigfacht den Gewinn“) und zum Tode betrübt („Strong Earnings Won’t Stop Coinbase’s Slump“, „Coinbase: Krypto-Crash sorgt für doppelten Ärger“).

Um als Unternehmen in einem mit derart vielen Unsicherheiten behafteten Markt auf Dauer bestehen zu können und das Vertrauen von Kunden und Investoren zu gewinnen, ist ein guter Ruf entscheidend.

Nehmen wir also die Leistung von Coinbase in den fünf für die Unternehmens-Reputation entscheidenden Dimensionen genauer unter die Lupe.

Reputationsfaktor: Wirtschaftliche Performance

Satte Gewinne, steiles Wachstum: Mit 1,8 Milliarden US-Dollar vermeldet Coinbase allein fürs erste Quartal 2021 schon 500 Millionen US-Dollar mehr an Umsatz als für das gesamte Jahr 2020. Der lag mit 1,3 Milliarden Euro bereits doppelt so hoch wie noch 2019. Noch stärker als der Umsatz wuchs der Gewinn: Er liegt im ersten Quartal bei 771 Millionen US-Dollar – mehr als das Zwanzigfache des Vorjahreswerts.

Kurz: Läuft bei Coinbase.

Reputationsfaktor: Produkt- und Service-Performance

Wenn Daten als Geld dienen sollen, bekommt Datensicherheit eine ganz neue Dimension. 2014 ging die damals größte Kryptogeld-Handelsplattform Mt.Gox pleite, von der über mehrere Jahre hinweg zunächst unbemerkt Bitcoins im Wert von hunderten Millionen US-Dollar digital gestohlen wurden. Mit ihrem Wert haben auch Hackerangriffe auf Kryptowährungen enorm zugenommen. Experten zählten bis 2017 nie mehr als zehn pro Jahr – für 2018 bis 2020 hingegen im Schnitt mehr als 110 jährlich. Mit einem Gesamtschaden von mehr als drei Milliarden US-Dollar allein in 2020.

An dieser Front sticht Coinbase hervor: Die Börse gilt als deutlich professioneller. Aus der gesamten Firmengeschichte wird nur ein einziger eingangs erfolgreicher Hack gemeldet – und der wurde schnell bemerkt und gestoppt (quasi in der Mittagspause), bevor er wie bei anderen ebenfalls betroffenen Börsen einen Millionenschaden verursachen konnte. Das war 2013 – seither halten die Mauern des digitalen Fort Knox von Coinbase.

Und solange das so bleibt, darf sich Coinbase eines besten Rufs für Produktqualität erfreuen.

Reputationsfaktoren: Arbeitgeber-Performance & Performance durch soziale, ökologische und ethische Nachhaltigkeit

In diesen Bereichen ist Coinbase in der letzten Zeit tatsächlich negativ aufgefallen. Unter anderem durch eine unfaire und diskriminierende Entlohnung seiner Mitarbeiter.

Aber eine gute Reputation hängt nicht davon ab, keine Fehler zu machen – sondern davon, wie man mit ihnen umgeht.

Coinbase nimmt berechtigte Kritik auf, entschuldigt sich, wo angemessen, und setzt Schritte in Gang, um Missstände zu beheben. Im konkreten Fall hat Coinbase die für die schlechtere Bezahlung von Frauen und farbigen Mitarbeitern ursächlichen Knackpunkte in den eigenen Prozessen identifiziert und abgeschaltet. Und bei der Gelegenheit auch gleich das Lohnniveau im Konzern insgesamt angehoben.

Nicht fehlerfrei, aber cleverer? Umgang mit Fehlern bringt Coinbase auch in diesen Feldern eine ordentliche Reputation ein.

Reputationsfaktor: Performance des Managements

CEO Brian Armstrong hat Coinbase gegründet und innerhalb von neun Jahren vom kleinen Start-up zur größten Cryptocurrency-Börse der USA geführt, börsennotiert und mit einer Marktkapitaliserung im dreistelligen Milliardenbereich. Der Erfolg des Unternehmens ist sein persönlicher Erfolg. Gegenüber potenziellen Investoren malt er die Zukunft von Coinbase dabei nicht rosarot, sondern weist explizit auf das reelle Risiko von Verlusten hin. Stellt den aktuellen Höhenflug nicht als langfristigen Trend, sondern günstige Momentaufnahme dar. Er beweist damit Kompetenz, Integrität und Benevolenz – die Grundpfeiler vertrauensbildender Kommunikation. Und Vertrauen ist das Fundament einer guten Reputation.

 

Wir haben hier also eine weitere Quinfecta des Reputationsmanagements. Bedeutet das, solange Coinbase in allen fünf Reputationsdimensionen auf Kurs bleibt, kann der Ruf des Unternehmens nie sinken?

Leider nicht. Diese Betrachtung wäre hier zu kurz gegriffen. Denn in der DNA von Coinbase steckt ein externes Reputationsrisiko. Als Cryptocurrency-Börse ist Coinbase nicht nur wirtschaftlich an Wertentwicklung und Handelsvolumina der Krypto-Währungen gekoppelt. Auch die Reputation des zentralinstanzfreien Zahlungsmittelersatzes strahlt auf das Unternehmen ab.

Und um die steht es nicht zum Besten. Neben einer miesen Ökobilanz steht Kryptogeld aktuell vor allem im Ruf, in erster Linie von Verbrechern für Verbrechen benutzt zu werden. Quasi eine „gigantische Geldwaschanlage“ zu sein.

Und ein Unternehmen kann seine Leistung in jeder Hinsicht noch so exzellent erbringen – wenn diese Leistungen als ausschließlich für Kriminelle interessant gelten, wird es als Dienstleister des Verbrechens angesehen werden.

Die weitere Entwicklung der Reputation von Coinbase hängt deswegen direkt von einem externen Faktor jenseits der eigenen Unternehmenssphäre ab: Wie schnell und wie weit legale und legitime Anwendungen von Kryptogeld Einzug in den Alltag der breiten Öffentlichkeit finden.

Von dem ursprünglichen Ziel, ein modernes, globales, einfaches Zahlungsmittel für Jedermann zu werden, dessen Wert vor schädlichen Übergriffen malevolenter oder inkompetenter Regierungen geschützt ist und so Sicherheit vor Finanzkrisen bietet, sind Bitcoin & Co zur Zeit jedenfalls noch weit entfernt.

 

Roland Heintze
www.reputationzweinull.de

 


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