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Mehr Schein als Sein – viel Tamtam um wenig Neues
  • R Heintze
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Chance vertan: Facebook-Chef Zuckerberg beschädigt seine Reputation in Berlin

Mit viel Spannung war der Berlinbesuch des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg im Februar erwartet worden. Der laxe Umgang mit Hasskommentaren kratzte in den letzten Monaten stark an Facebooks Reputation. Bei seinem Berlinbesuch hatte Zuckerberg also die Chance, dies persönlich wieder geradezubiegen. Er hat sie vertan.

 

Facebook-Bild Mark Zuckerberg joggt vorm Brandenburger Tor

Quelle: Facebook

 

Gleich am ersten Morgen seines zweitägigen Besuchs postete der Social Media-Pionier ein wohlarrangiertes Bild, das ihm beim Laufen durch das Brandenburger Tor zeigte. Es sagt uns: „Hallo, ich bin da, schaut mal her.“ Das Aufsehen war ihm sicher. War es sowieso, denn Zuckerberg setzt die Spielregeln während seines Deutschlandbesuchs selbst, insbesondere beim Townhall Meeting am zweiten Tag seiner Reise.

Ein Townhall Meeting ist eine Fragestunde mit eingeladenen Gästen. Es hat seinen Ursprung in der amerikanischen Politik, dort wird mit den Bürgern in einen Dialog getreten. In diesem Fall also mit deutschlandweit gut 30 Millionen Bürgern der Facebook-Welt. Die Teilnehmer des Meetings waren allerdings – vorab ausgewählte – rund 1.000 Studenten. Auch die Fragen, die sie stellen durften, waren wohl genauestens abgestimmt – Kontroverse Fehlanzeige. Auffällig viele der genehmen Fragen drehten sich um Zuckerbergs Privatleben. Zu seinem Hund Beast etwa, dem Wohlergehen seiner Tochter oder wie er seinen Arbeitstag plant. Fragen zum Unternehmen nutzte der 31-Jährige, um Werbebotschaften zu erklären, z.B. wie Facebook die Welt zu einem besseren Ort machen könne.

Kritisch wurde es bei den angehenden Akademikern nicht wirklich, das eigentlich interessantere Thema, wie mit Hasskommentaren umgegangen werden soll, kam nur kurz zur Sprache. Hier antwortete Zuckerberg: „Hassbotschaften haben auf Facebook keinen Platz. Wir haben bis vor kurzem in Deutschland keinen guten Job gemacht, was das angeht“. Zumindest nannte er Zahlen: 200 Mitarbeiter eines externen Dienstleisters kümmerten sich von nun an um die Bearbeitung von Kommentarmeldungen. Dass er endlich die offiziellen Zahlen nennt, um die sich seine deutsche Sprecherin in der „Smudo-Konferenz“ noch so herumgedrückt hatte – gut. Aber die naheliegende Frage blieb unbeantwortet: Zuckerberg inszeniert Öffentlichkeit und Transparenz, lässt sie dann aber nicht wirklich zu? Zwar waren neben den Studenten auch zwei Sitzreihen Journalisten geduldet, Fragen durften die allerdings nicht stellen. Und auch Nachfragen waren nicht zugelassen.

Themen gäbe es genug, so hat Facebook ein Problem in Deutschland, denn das Netzwerk verliert seit Jahren aktive Nutzer. Nutzten 2012 noch 58 Prozent Social Media-Nutzer Facebook, indem sie Kommentare oder Videos posteten, waren es 2014 nur noch 38 Prozent. YouTube schickt sich an, Facebook als Nummer 1 der Sozialen Medien abzulösen. Zum Thema Datenschutz gab es eine einfache Antwort: „Facebook ist eine Revolution in Sachen Privatsphäre.“ Zuckerberg übersieht hier, dass die Deutschen weniger Transparenz der eigenen Daten erwarten, als möglicherweise die Amerikaner. Daher ist das Thema von Facebook noch längst nicht zufriedenstellend beantwortet.

Der Berlinbesuch von Mark Zuckerberg war mehr eine clevere Marketing-Kampagne als eine wirkliche Diskussionsveranstaltung. Wenn Themen vorgegeben, Fragen ausgewählt und ein Nachfragen eingeschränkt wird, ist kaum Transparenz gegeben, das schadet der Reputation. So bleibt dann auch der nette Besuch des Gründers wie ein Selfie beim Joggen: mehr Schein als Sein.

Roland Heintze

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